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Kommentar

Prozess zur Loveparade: Gefühl der Ohnmacht

Münster

Ein Vorwurf lastete permanent auf dem Straf­verfahren zur Loveparade-Katastrophe: dass auf der Anklagebank einige für das Unglück vielleicht entscheidende Personen fehlen. Trotzdem hat das Land­gericht über 96 Verhandlungstage zu klären versucht, welche persönliche Schuld – nur um die geht es – die zehn Angeklagten am Tod von 21 Loveparade-Teilnehmern und an den Verletzungen von 650 Besuchern tragen.

Hilmar Riemenschneider

Foto: dpa

Die vorläufige Antwort des Gerichts provoziert vermutlich ein Gefühl der Ohnmacht, erst recht bei Opfern und Angehörigen. Gerecht wird man ihr nur mit nüchterner Betrachtung.

Dass die Angeklagten 2010 zur Tragödie von Duisburg beigetragen haben, steht für das Gericht außer Zweifel. Doch am Veranstaltungstag gab es so viele Pannen, so viele Fehlentscheidungen bei Veranstaltern, Stadt und Polizei, dass sich das Loveparade-Desaster im Prozessverlauf als vermeidbare Folge einer Verkettung vieler unglücklicher Umstände und Entscheidungen darstellt.

Wie es dazu gekommen ist, hat das Gericht aufgeklärt. Schon dafür war das Strafverfahren wertvoll – auch weil der Landtag mit dem Verzicht auf einen Untersuchungsausschuss die falsche Entscheidung getroffen hat.

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