1. www.wn.de
  2. >
  3. Kommentar
  4. >
  5. Scholz’ Rolle in der Wirecard-Affäre: Fehlendes Gespür

  6. >

Kommentar

Scholz’ Rolle in der Wirecard-Affäre: Fehlendes Gespür

Im Wirecard-Skandal gerät auch das Finanzministerium unter Druck. Die Schlüsselfrage: Gab es Fehler in einer Behörde - oder ist das ganze System der Unternehmensaufsicht schlecht organisiert?

Mirko Heuping

Olaf Scholz (SPD), Bundesminister der Finanzen. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Ob Olaf Scholz in der Wirecard-Affäre bewusst weggeschaut hat, ist schwer nachzuweisen. Sicher ist aber, dass er den entstandenen Schaden für Aktionäre und die deutsche Wirtschaft hätte eindämmen können, wenn er rechtzeitig bewusster hingeschaut hätte. Und das wäre als Bundesfinanzminister seine Pflicht gewesen. Die ihm übermittelten Hinweise waren bereits vor eineinhalb Jahren so alarmierend, dass Scholz alles hätte daransetzen müssen, das Betrugssystem bei Wirecard mit Nachdruck aufzudecken.

Statt die Aufklärung zu forcieren, warb Scholz’ Staatssekretär Wolfgang Schmidt noch vor einem Jahr in China für den Markteintritt Wirecards. Dabei hätte der Bundesfinanzminister in der Frühphase der Bafin-Ermittlungen zeigen können, dass er aus schlechten Erfahrungen gelernt hat. Bereits als Hamburger Oberbürgermeister hatte er im Cum-Ex-Skandal um die Warburg-Bank durch seine zögerliche Haltung keine gute Figur gemacht.

Für die Kanzlerambitionen des SPD-Politikers – sofern sie denn je realistisch waren – ist dies ein erneuter Rückschlag. Ein fehlendes Gespür für die Situation ist das Mindeste, was man ihm vorwerfen muss.

Startseite