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Kommentar: China am Corona-Pranger

Schweres Geschütz

In einem westlichen Geheimdienstpapier wird China scharf für den Umgang mit der Corona-Krise kritisiert. Ein Kommentar.

Michael Giese

Chinas Präsident Xi Jinping während eines Krankenhausbesuchs in Wuhan. Foto: Xie Huanchi

Bewältigt ist die Corona-Krise noch lange nicht. Aber schon wird schweres Geschütz auf­gefahren, um den Schuldigen für die Pandemie an den Pranger zu stellen – als sei das Virus mit Donner und Pulverdampf zu identifizieren. Washington erhebt schwere Vorwürfe gegen Peking, der tödliche Erreger stamme aus einem Labor in Wuhan und China habe versucht, die Wahrheit zu vertuschen.

Die USA berufen sich auf Erkenntnisse westlicher Geheimdienste. Spätestens jetzt heißt es: Vorsicht! Saddam Hussein hatte angeblich Massenvernichtungswaffen. ­Washington streute schon einmal vorsätzlich falsche Informationen, die letztlich zum Auslöser für den Irakkrieg 2003 wurden. Nichts als Propaganda mit fatalen Folgen.

Durch Corona geraten nun zwei Supermächte aneinander. Washington und Peking verfolgen knallhart ihre jeweiligen geostrategischen Interessen. Wer zuerst aus dem ökonomischen Schlamassel herauskommt, darf sich als Krisengewinner sehen. Das legt den Schluss nahe, dass beide Seiten in diesem Poker mit falschen Karten spielen. Für Peking gäbe es indes viel mehr zu gewinnen – zum Beispiel das Vertrauen der Weltgemeinschaft. Wenn nur die Geheimniskrämerei um Wuhan beendet würde . . .

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