1. www.wn.de
  2. >
  3. Kommentar
  4. >
  5. Schwindsucht

  6. >

Kommentar zur Krise der CDU

Schwindsucht

Wäre am Sonntag Bundestagswahl, würde die Union unter die 30-Prozent-Marke fallen. Laut Umfragen hätten CDU und CSU nur 29 Prozent der Stimmen. Die Zeit arbeitet nun gegen den Neu-Vorsitzenden Armin Laschet.

Norbert Tiemann

Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, spricht im Landtag. Der Landtag kam zu einer Corona-Sondersitzung zusammen. Foto: Federico Gambarini/dpa

Der Corona-Bonus hat Schwindsucht. An den Wahlurnen und in bundesweiten Umfragen taumelt die CDU in die Krise. Und das sechs Monate vor der Bundestagswahl. Wie Schnee in der Sonne schmilzt das Vertrauen, das Merkel & Co. aufgrund von Regierungskunst und verlässlichem Krisenmanagement attestiert worden war. Von 40 Prozent Zustimmung sind 29 geblieben.

Müßig, über einzelne Ursachen zu sinnieren. Das Erscheinungsbild der Partei spiegelt Führungslosigkeit, Vielstimmigkeit und Perspektivlosigkeit wider. Leerstellen programmatisch und personell. Die Partei wirkt ausgelaugt, geschunden und getrieben durch das Reagieren auf die Pandemie. Corona hat der CDU die Strategie und den Regieplan aus den Händen gerissen.

Die Zeit arbeitet nun gegen den Neu-Vorsitzenden Armin Laschet. Eine Wechselstimmung im Land ist das Letzte, was er gebrauchen kann. Und alte Widersacher melden sich prompt neu zu Wort. Offenkundig notwendige Weckrufe. Laschet muss jetzt liefern – Führung und einen Kanzlerkandidaten. Und die CDU weiß, was auch die SPD weiß: Olaf Scholz ist keine Malu Dreyer; entschieden ist noch überhaupt nichts.

Startseite