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Pro und Contra

Sollten in diesem Jahr die Weihnachtsferien verlängert und die Sommerferien gekürzt werden?

Der Vorschlag zweier Unionspolitiker, wegen Corona die Weihnachtsferien zu verlängern, löst eine heftige Debatte aus. Ist es sinnvoll die Sommerferien zu kürzen, um im Winter das Infektionsrisiko zu verringern? Ein Pro und Contra.

Mirko Heuping und Elmar Ries

Foto: dpa

Pro: Die bessere Alternative

Von Mirko Heuping:

Längere Weihnachts- und dafür kürzere Sommerferien – dieser Vorschlag klingt abenteuerlich und hat seine Schwächen. Ohne Frage. Er erfordert einen beträcht­lichen Organisationsaufwand von Schulen, Eltern und Lehrern. In Anbetracht der Alternativen sollte allerdings jeder kreative Ansatz wohl­wollend geprüft und nicht reflexartig abgelehnt werden. Erst recht, wenn er gleichzeitig dazu beiträgt, das Infektions­geschehen einzudämmen und Unterrichtsausfall zu minimieren.

Geht alles seinen gewohnten Gang, wird der Winter für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte hart. Jedes Husten und jeder Schnupfen wird zu Fehlzeiten führen. Ein jahreszeitbedingter deutlicher Anstieg positiver Coronatests legt immer wieder einzelne Schulklassen oder sogar ganze Schulen lahm. Das ständige Querlüften von Klassenzimmern stellt nicht nur die notorischen Frostbeulen auf die Probe, sondern trägt zu einer deutlichen Zunahme an Atemwegs­infekten bei. ­Eltern müssten dadurch immer wieder sehr kurzfristig zu Hause bleiben, um ihre Kinder zu betreuen.

Selbst wenn im Sommer noch kein Impfstoff zur Verfügung stehen sollte, ist die Situation bei milderen Temperaturen deutlich besser zu händeln. Letztlich gilt es abzuwägen – und die Gesundheit sollte an erster Stelle stehen.

Contra: Lediglich gut gebrüllt

Von Elmar Ries:

Längere Weihnachts­ferien als Baustein, damit aus dem Corona-Vormarsch kein Durchmarsch wird: Der Vorstoß klingt vielleicht gut, hat aber letztlich nichts  auf den Hacken. Folglich folgte das Nein prompt – und zu Recht.

Nach den Sommerferien haben die Schulen in Deutschland von Distanz auf Präsenz umgeschaltet. Und es funktioniert, auch wenn’s hier hapert und da knirscht und hier und da einzelne Schüler, Lehrer, ganze Klassen und manchmal leider auch ganze Schulen aus dem Lern­betrieb aussteigen, weil das Virus dazwischenfunkt. Mit Blick auf die Pandemie bringt es also wenig bis nichts, die Ferien zu verlängern. Vielmehr über­wiegen die Nachteile. Zwei gravierende: Berufstätige Eltern, die nicht wissen, wie und wo sie ihre Sprösslinge unterbringen können – und aus der Not heraus im Januar ihren Jahresurlaub nehmen müssen. Gleichzeitig ein maßloses Gedränge in den verkürzten Sommerferien 2021 – sofern das Virus dann Urlaub wieder zulässt.

Eine echte Corona-Schutz-Alternative zum Ferienvorstoß wäre mehr Fernunterricht. Dazu aber sind zu viele Schulen noch immer digitale Brachen. Technik fehlt, vielfach sicherlich auch Kompetenz und Bereitschaft der Lehrenden, Kreide und Tafel gegen iPad und Apple Pencil einzutauschen. Dieser Dreiklang ist jedoch zwingende Voraussetzung, um über Präsenz-Alternativen nachzudenken.

Reaktionen auf Vorschlag

Mit ihrem Vorschlag, die Weihnachts- und Winterferien wegen der Corona-Pandemie zu verlängern und stattdessen die Sommerferien zu kürzen, haben zwei Bundestagsabgeordnete der Union am Dienstag eine lebhafte Diskussion ausgelöst. Lehrer-, Schüler- und Ländervertreter sowie Parteikollegen wiesen die Idee zurück. Der Bundeselternrat zeigte sich dagegen offen dafür. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer hat dem Vorschlag eine Absage erteilt.

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