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Kommentar zur neuen EU-Taxonomie

Strahlend nachhaltig

Die Taxonomie der Europäischen Union ist ein Werkzeug für Finanzinvestoren, die wissen sollen, ob eine Technik, in die sie ihr Geld stecken, auch in 10 oder 20 Jahren noch was wert ist. Nach dem Willen der EU-Kommission bekommen Atomkraft und Erdgas nun ein Nachhaltigkeits-Label. Ein Kommentar.

Von Ulrich Schaper

Blick auf Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 2. Ursprünglich sollte die Pipeline für Erdgas aus Russland Ende 2019 in Betrieb gehen. Foto: Stefan Sauer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Stefan Sauer

Jetzt ist es also wirklich passiert: Die EU stuft Erdgas und Kernkraft als nachhaltige Energieträger ein. Sie sendet damit ein Signal an Investoren. Die Entscheidung ist ein Kompromiss, der allen EU-Staaten erlaubt, ihre bevorzugte Energie zu nutzen, um die angestrebten Klimaziele zu erreichen.

Die EU betreibt mit ihrer neuen Taxonomie Greenwashing. Es braucht schon eine Menge Fantasie, wenn man mit Blick auf die Wertschöpfungskette der Atomkraft – von Uranförderung bis hin zur vergeblichen Endlagersuche – von Nachhaltigkeit spricht.

Bei Erdgas ist der Fall leicht anders gelagert. Als Brückentechnologie will die Bundesregierung sie nutzen. Die Kraftwerke sollen später mit grünem Wasserstoff betrieben werden. Wo aber bitte soll der herkommen? Das Geld, das für den Ausbau der erneuerbaren Energien so dringend benötigt würde, fließt nach Maßgabe der EU ja erst einmal in Vergangenheitstechnologien.

Letztlich setzt die EU nur die Leitplanken für Investitionen. Ob jemand in Kernkraft investieren möchte, darüber entscheidet hoffentlich der gesunde Menschenverstand.

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