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Kommentar

Triage in Sachsen? Falsche Worte

Der Begriff „Triage“ ruft Angst und Schrecken hervor, schürt Panik. Deswegen sollte man ihn sehr vorsichtig verwenden.

Frank Polke

Ein Rettungswagen fährt auf das Gelände vom Klinikum Oberlausitzer Bergland gGmbH im sächsischen Zittau. Foto: Daniel Schäfer

Die Lage in den Kliniken ist mehr als angespannt. Mit einer – wissenschaftlich und medizinisch vorhergesagten – zeitlichen Nachfolge von 14 Tagen wirken sich die hohen Infektionszahlen jetzt in der Belegung der Kliniken aus. Im Fokus vor allem die Intensivstationen, wo vielerorts die Kapazitätsgrenze erreicht ist.

Dennoch: Die Benutzung des Schreckensbegriffs „Triage“ durch einen Mediziner des Klinikums Oberlausitzer Bergland in Zittau schürt Ängste, gar Panik, an der niemand Interesse haben kann. Der Lockdown ist da – und dürfte jedem, der trotz der steigenden Zahl von Toten noch immer ein unsolidarisches Maß an Sorglosigkeit an den Tag gelegt hat, den Ernst der Lage noch einmal vor Augen geführt haben. Die politisch Verantwortlichen haben viel Zeit im Sommer verloren – und sich offenbar wie die Bevölkerung in der trügerischen Sicherheit gewogen, dass Deutschland auch in der Pandemie der Musterschüler ist und im Winter sein wird.

Die Lage ist ernst – sie wird aber nicht beherrschbarer, wenn Ärzte, Politiker oder interessierte Kreise Begriffe wie Triage oder Kontrollverlust in den öffentlichen Diskurs werfen. Dies schafft falsche, gar schädliche Aufmerksamkeit. Noch gibt es – auch in Sachsen – Möglichkeiten der Verlegung von Patienten, die eine bestmögliche medizinische Behandlung verdienen und erhalten.

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