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Die digitale Frankfurter Buchmesse

Trist, aber wichtig

Eine digitale Buchmesse, ist das richtig? Trotz der Tristesse von Preisverleihungen im Livestream heißt die Antwort: ja. Ein Kommentar.

Harald Suerland

Justin Trudeau, Premierminister von Kanada, spricht während der Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse in der Festhalle per Video-Botschaft. Foto: Arne Dedert/dpa

Die Literatur hat’s gut, könnte man glauben: Sie braucht keine Veranstaltungen und keine Menschenmassen, um ihre Wirkung zu entfalten. Das Buch ist für den Einzelnen gerade unter Corona-Einschränkungen der ideale Kulturpartner.

Aber die Branche musste erleben, wie auch sie vom Lockdown getroffen wurde. Zwar kämpften Buchhändler mit Liefer-Angeboten tapfer gegen die Krise an, doch Verlage und Autoren wissen: Viele Leser möchten mehr als mit dem gedruckten oder digital publizierten Werk allein sein; sie streben zu Lesungen, wollen Schriftsteller erleben oder sich durch streitende Kritiker inspirieren lassen. Und für solche Begegnungen ist die Frankfurter Buchmesse der Kulminationspunkt. Schon die Verleihung des Buchpreises wirkte im Livestream eher trist, beim Friedenspreis des Deutschen Buchhandels am Sonntag in der Paulskirche dürfte es ähnlich sein.

Dennoch: Literatur kann auch zwischen voneinander entfernten Lesern Verbindungen stiften, und das eigene Lesen regt die Fantasie auf viel nachhaltigere Weise an als mancher passive Kunst-Konsum. Es ist gut, dass die Buchmesse daran auch mit den jetzt nötigen unkonventionellen Mitteln erinnert.

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