1. www.wn.de
  2. >
  3. Kommentar
  4. >
  5. Türkei und Deutschland – ziemlich fremde Freunde

  6. >

Merkels Abschiedsbesuch bei Erdogan

Türkei und Deutschland – ziemlich fremde Freunde

Inhaftierte Deutsche, Flüchtlingskrise, Nazi-Vergleiche – die Beziehungen zwischen Berlin und Ankara sind nicht einfach. Darüber kann auch der freundliche Empfang für Kanzlerin Merkel in Istanbul nicht hinwegtäuschen, meint unser Kommentator Martin Ellerich.

Von Martin Ellerich

Allen freundlichen Worten zum Trotz: Der Abstand zwischen Kanzlerin Angela Merkel und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bleibt groß. Das zeigte sich auch beim Abschiedsbesuch in Istanbul. Foto: Foto: Imago/Xinhua

Als „Freundin“ und „teure Kanzlerin“ würdigt der türkische Präsident Erdogan die Kanzlerin bei deren Abschiedsbesuch. Alle Freundlichkeit kann nicht darüber hinwegtäuschen: Es sind ziemlich fremde Freunde, die sich da in Istanbul treffen. Sie teilen nicht gemeinsame Werte, nicht ein gemeinsames Verständnis von Demokratie und Rechtsstaat; das beweist ein einziger Blick in Erdogans mit Oppositionellen gefüllte Gefängniszellen. Ankara und Berlin verbinden vor allem gemeinsame geostrategische Interessen – und selbst da gibt es inzwischen Differenzen, hat sich die Türkei doch vom einst beruhigenden Bollwerk gegen eine unruhige Nachbarschaft zum selbst aggressiv auftretenden Akteur entwickelt – in Syrien, im Irak, in Berg-Karabach, aber auch im Gasstreit mit den EU-Mitgliedern Griechenland und Zypern, auf dessen Territorium in der nur von Ankara anerkannten „Türkischen Republik Nordzypern“ noch immer türkische Truppen stehen.

Jetzt Angebot wählen und direkt weiterlesen!

ANZEIGE