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Kommentar

Weltweite Heldin: Russische TV-Frau kritisiert offen den Krieg

Dass Menschen wie die TV-Mitarbeiterin Marina Owsjannikowa Putin vor laufenden Kameras die Stirn bieten und keine Lügen verbreiten wollen, ist eine Ohrfeige fürs System. Doch warum hält sich die Mehrheit der Russen zurück?

Von Claudia Kramer-Santel

Der Screenshot aus der abendlichen Hauptnachrichtensendung des russischen Staatsfernsehen zeigt die Protestaktion von Marina Owsjannikowa. Foto: dpa Foto: ---

Was für eine mutige Aktion! Als TV-Mitarbeiterin mitten in der Hauptnachrichtensendung in Russland gegen den Krieg zu demons­trieren, Putin die Stirn zu bieten – ohne Rücksicht auf Konsequenzen: Das ist einer dieser hoffnungsvollen Momente in düsteren Zeiten.

Sie hatte eine maximale Wirkung im Sinn: Mag sie auch sofort von der Bildfläche verschwunden sein – ein Video mit ihrer Sicht der Dinge geht nun um die Welt. „Fürchtet nichts“, ermuntert sie die Russen, den „Wahnsinn“ zu beenden. Was grausamer Wahnsinn bedeutet, zeigte sich gerade am Tod einer anderen Frau, deren Foto ebenfalls um die Welt ging: Die Schwangere und ihr Kind, die aus der von Russland attackierten Geburtsklinik getragen wurden, konnten nicht gerettet werden.

Darf man dazu schweigen? Die TV-Mitarbeiterin Marina Owsjannikowa hat sich entschieden: Nein. Dass Menschen wie sie sich weigern, Lügen zu verbreiten, ist eine Ohrfeige fürs System. Putin steckt in der Klemme: Straft er sie nicht ausreichend, fühlen sich andere zum Protest ermutigt. Verschwindet diese Frau, wird sie zur Ikone der Kritiker. Die gefährliche Wahrheit ist: Eine weltweite Heldin im Kampf für die Freiheit ist sie schon jetzt.

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