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Kommentar: Corona-Schnelltests für Flugreisende

Unausgegorene Idee

Alle Auslandsurlauber können sich künftig nach der Rückkehr in Deutschland kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Einen entsprechenden Beschluss fassten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Freitag bei einer Schaltkonferenz. Eine gute Idee, aber zu kurz gedacht, findet unser Redakteur Uwe Gebauer. Ein Kommentar:

Uwe Gebauer

Flugreisende stehen in Terminal 1 des Frankfurter Flughafens am Check-in-Schalter an. Reiserückkehrer aus Risikogebieten sollen sich an Flughäfen verpflichtend auf das Coronavirus testen lassen. Foto: Arne Dedert

Jetzt wird es abenteuerlich. Reisende, die aus Risikogebieten zurückkehren, sollen noch auf dem Flughafen einen Corona-Schnelltest vornehmen lassen. Keine schlechte Idee, um Infizierte gar nicht erst zu neuen Infektionsherden werden zu lassen, könnte man meinen. Aber dann hätte man zu kurz gedacht.

Die ganze Idee ist unausgegoren. Wo steckt das Risiko? In Reisenden, die sich in Gebieten mit hohen Infektionszahlen verantwortungsvoll benehmen? Oder bei Urlaubern, die vor den Corona-Regeln in Deutschland fliehen und es in vergleichsweise sicheren Ländern mal so richtig krachen lassen? Sind Autofahrer gefeit vor Infektionen? Und wo kommen auf einmal die Testkapazitäten her? Bisher schafft der Flughafen München beispielsweise keine 100 Tests am Tag.

Schlimmer noch ist die Unsicherheit im Test selbst. Der kann ganz frische Infektionen gar nicht erkennen. Kein Schnelltest wird die 14-tägige Quarantäne ersetzen können. Was also sollen die Schaufenstermaßnahmen auf den Flughäfen? Stattdessen müssten flächendeckend Testmöglichkeiten in der Republik geschaffen und die Frage der Kostenübernahme einheitlich geklärt werden.

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