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Der ungelöste Fall Anis Amri

Unbegreiflich

Ein Jahr ist seit dem entsetzlichen Terroranschlag vergangen. Doch bis heute gibt es im Fall Anis Amri trotz vieler Beteuerungen mehr Fragen als Antworten. Ein Kommentar.

Wolfgang Kleideiter

Bundeskanzlerin Angela Merkel legte am 12. Dezember am Breitscheidplatz in Berlin eine weiße Rose zum Andenken an die Opfer nieder, die vor einem Jahr von Anis Amri getötet wurden. Foto: dpa

Ja, die Wege des radikalen Islamisten durch das heillos überforderte Asylsystem und die unterschiedlich intensiven Überwachungsphasen waren anfangs überraschend schnell nachgezeichnet.

Seitdem wird die Öffentlichkeit aber fast Woche für Woche mit weiteren Details konfrontiert, die nicht nur staatliche Versäumnisse greifbar machen, sondern zuständige Behörden einem schweren Verdacht aussetzen. Wer, so fragt man sich, will im Fall Amri eigentlich täuschen und vertuschen? Warum nur hat sich das Gemeinsame Terrorismusabwehrzen­trum zigmal mit Amri befasst und ihn in der Folge aber nicht daran hindern können, den Anschlag zu verüben? Diente der Tunesier internationalen Geheimdiensten tatsächlich als Köder für den IS?

Zwei Länder-Untersuchungsausschüsse mühen sich in Berlin und Düsseldorf damit ab, mehr Licht in den düsteren Fall zu bringen. Doch immer wieder versperren Nebelkerzen den Blick, bleiben Fragen der Parlamentarier unbeantwortet. Innenpolitisch riskant und unbegreiflich, denn so geraten sogar gute Nachrichten von vereitelten Anschlägen in ein schiefes Bild.

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