1. www.wn.de
  2. >
  3. Kommentar
  4. >
  5. Unverantwortlich passiv

  6. >

Kommentar: Die Türkei, der Krieg und die Europäer

Unverantwortlich passiv

Während die Welt gebannt auf das Coronavirus blickt, steuert der Krieg im Norden Syriens auf eine weitere Tragödie zu.

Elmar Ries

Foto: dpa

Während die Welt gebannt auf das Coronavirus blickt, steuert der Krieg im Norden Syriens auf eine weitere Tragödie zu. Der Konflikt zwischen Türken, Kurden, syrischen Rebellen und dem von Russland unterstützten Assad-Regime eskaliert. Nun fordert Ankara den Beistand der Nato und droht unverhohlen, den Millionen Flüchtlingen im Land die Grenzen Richtung Westen zu öffnen. Und Europa? Plädiert, appelliert, schwadroniert – und rutscht immer weiter in die Bedeutungslosigkeit.

Vor allem Deutschland macht sich international lächerlich. Auf dem Parkett ein Riese, der lautstark für ein größeres militärisches Engagement der Bundeswehr plädiert und robuste Mandate in Afrika fordert. Im wahren Leben ein mutloser Zwerg, dessen Tagesbefehl allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz „Raushalten“ lautet.

Dass sich die Situation in der nordsyrischen Region Idlib zum brutalen Krieg auswuchs, hat auch mit einer solchen Haltung zu tun. Im vergangenen November kündigten die USA an, sich aus Nordsyrien zurückzuziehen. Verbunden damit war die Bitte an die Verbündeten, an ihrer statt Soldaten als Pufferkräfte zwischen den verfeindeten Gruppen einzusetzen. Deutschland und die anderen Nato-Staaten lehnten dankend ab. Wohin eine solche unverantwortliche Passivität führt, erleben wir heute wieder.

Startseite