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Kommentar

Was nun, Mr. President? 2018 steht für Trump unter keinem guten Stern

Es werde ein „fabelhaftes Jahr“, prognostiziert Donald Trump für 2018. Er sieht sich nach einem Auftakt voller Pannen, Pech und Pleiten im Aufwind. Woher er diesen Optimismus nimmt, bleibt offen. Wer hofft, der unberechenbare US-Präsident werde präsidialer und leiser werden, dürfte sich irren. 

Claudia Kramer-Santel

US-Präsident Donald Trump in seinem Anwesen Mar-a-Lago in Palm Beach. Foto: Carolyn Kaster/AP/dpa

Trump steht extrem unter Druck. Viel spricht dafür, dass er voll auf Wahlkampfmodus schalten wird – neue zweifelhafte Showeinlagen inklusive.

Obwohl er mit einer republikanischen Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus vieles durchsetzen könnte, scheint ihm weiter wenig zu gelingen. Zu handwerklicher Unfähigkeit und fehlendem Verhandlungsgeschick kommen bei ihm völlig unrealistische Ziele. So ist offen, wie er sein für 2018 geplantes Infrastrukturpaket finanzieren will. Es drohen gigantische Schuldenlöcher – viele Demokraten und Republikaner dürften nicht mitspielen.

2018 stehen zudem Zwischenwahlen an, die für Trump unter keinem guten Stern stehen. Es wird der gesamte US-Kongress und ein Drittel des Senats neu gewählt. Doch zum einen verfügen die Republikaner nach einer Wahl in Alabama nur noch über die knappe Mehrheit von 51 von 100 Sitzen im Senat. Zum anderen verliert die Partei eines neuen US-Präsidenten fast immer bei den ersten Zwischenwahlen nach der Amtseinführung.

Sollten die Demokraten es schaffen, die Mehrheit im Senat zurückzuholen, wäre das für Trump ein Desaster. Erstens: Er könnte nicht mehr so einfach erzkonservative Richter durchsetzen. Zweitens: Falls sich Senat und Repräsentantenhaus mit dann unterschiedlichen Mehrheiten nicht einigen könnten, würde bald völliger Stillstand herrschen. Trump wäre eine lahme Ente.

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Trotzdem: Trump ist nicht weg vom Fenster. Russlandaffäre hin, Belästigungsvorwürfe von Frauen her: Seine Fans halten zu ihm – noch. Sie sehen in ihm weiter den unkonventionellen Politiker, der sich vom Washingtoner Establishment nicht verbiegen lässt. Trump wird ihre Erwartungen erfüllen und weiter auf seine gefährliche „America First“-Strategie setzen – ein großes Risiko für den Weltfrieden.

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