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Kommentar

Wer nicht hören will

Kanzlerin An­gela Merkel hat ein Machtwort gesprochen: Die Länder müssten ihre Lockdown-Versprechen auch umsetzen und die Notbremse ziehen. Doch Länder wie Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Niedersachsen und das Saarland sahen am Montag zunächst keinen Grund zum Handeln.

Martin Ellerich

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist zu Gast in der ARD-Talksendung "Anne Will". Foto: Wolfgang Borrs

Die Kanzlerin hat gesprochen. Sie hat dargelegt, weshalb die Maßnahmen nicht ausreichen, wenn die Horrorzahl von täglich 100 000 Neuinfizierten vermieden werden soll. Die Naturwissenschaftlerin hat zur besten Sendezeit klargemacht, dass Testen allein angesichts der gefähr­licheren Mutante kein Anlass für Öffnungsschritte sein dürfe. Sie hat für Ausgangssperren zum Ausbremsen des Virus geworben. Und die Ministerpräsidenten von Tobias Hans bis Armin Laschet? Sie öffnen wie gehabt – ver­weisen auf Tests. Merkels „Basta“ ist ungehört verhallt.

Das ist ein Drama: Die Uhr tickt. Ja, Kontaktsperren und nächtliche Ausgangsverbote über Ostern wären hart. Aber wenn sie unvermeidlich sind, dann lieber jetzt. Sie wären in den Ferien letztlich erträglicher als danach. Die Ministerpräsidenten hören nicht auf die Kanzlerin, nicht auf den Rat der Experten.

Das Virus aber hört nicht auf unsere Wünsche. Nüchterne, erwachsene Politik wäre, Fakten zu akzeptieren und sich in notwendige Einschränkungen zu schicken, so unangenehm sie sein mögen. Härtere Corona-Maßnahmen werden kommen. Die Wahl ist allein die zwischen schneller oder länger. Und wenn die Minister­präsidenten es nicht machen, wird Merkel es über das Infektionsschutzgesetz versuchen. So viel ist jetzt klar.

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