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Die zivilgesellschaftliche Bewährungsprobe

Wie eine Fessel

Ein Lockdown-Hammer mit An­sage. Es sind die Radikalität der gestrigen Pandemie-Beschlüsse und das wachsende, Nachdenklichkeit ausstrahlende Erklär-Talent der Bundeskanzlerin, die die Lage der Nation hinreichend gut beschreiben. Ein Kommentar. 

Norbert Tiemann

Bundeskanzlerin Angela Merkel, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (l) und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder geben nach ihren Beratungen eine Pressekonferenz im Kanzleramt. Foto: Fabrizio Bensch

Keine lokalen oder regionalen Infektionsherde, sondern Flächenbrand. Kontrollverlust bei der Nachverfolgung der Ansteckungen. Der Klinik-Kollaps plötzlich in sichtbarer Nähe. Mehr Handlungsdruck geht kaum.

Ein ganzes Land zahlt nun die Zeche für vorsätzliche Ignoranz, für gefährliche Fahrlässigkeit, für Respektlosigkeit, für Masken-Müdigkeit, für Partylaune. Für einen unfassbaren Mangel an Einsichtigkeit, für einen gewissen Zeitraum bei Liebgewonnenem Verzicht üben zu müssen. Der ohnehin düstere November-Monat kommt nun mit der Fessel massiver Freiheitsbeschränkungen.

Wer kann sie lösen? Wir. Womit? Mit Vernunft und Disziplin. Es braucht jetzt die von Merkel zitierte nationale Kraftanstrengung, die im Grunde genommen nichts anderes ist als eine zivilgesellschaftliche Bewährungsprobe. Ein Scheitern würde das Land direkt in den ­Komplett-Lockdown schleudern. Mit unabsehbaren ­Verwerfungen für unser wohlstandsverwöhntes Dasein.

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