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CDU-Parteitag

Wieder nur ein digitales Date für die CDU

Im dritten Anlauf wird Friedrich Merz an diesem Samstag auf einem Online-Parteitag zum CDU-Chef gewählt. Er hofft auf große Zustimmung: „Eine Acht vorne wäre schön“. Nach Annegret Kramp-Karrenbauer und Armin Laschet wird Merz der dritte Vorsitzende innerhalb von gut drei Jahren sein. Ein Kommentar.

Von Norbert Tiemann

Friedrich Merz (Bild) wird am Samstag zum CDU-Vorsitzenden gewählt werden - beansprucht er auch den Fraktionsvorsitz für sich oder kann sich Ralph Brinkhaus behaupten? Foto: dpa

Ein Merz macht noch keinen Sommer. Und ein erneut steriler, weil nur digitaler, Parteitag vermag nur bedingt spürbare Signale des Aufbruchs zu erzeugen. Eher dürfte es wieder langweilig werden, weil die Wahl des neuen CDU-Chefs Friedrich Merz als Folge der Mitgliederbefragung nur einer reinen Formsache ähnelt und der personelle Radikalumbau an der Spitze der Partei längst vorbereitet ist und sowieso durchgewunken wird.

Langweilig? Nicht nur. Natürlich muss das konkrete Abstimmungsergebnis für den politisch Wiederauferstandenen unter der Frage interpretiert werden, wie groß denn Rückhalt und Vertrauen des zweimal zuvor gescheiterten Briloners in der Partei tatsächlich sind. An Vorbehalten gegenüber dem konservativen Wirtschaftsmann besteht kein Mangel; ein Ergebnis oberhalb von 80 Prozent wäre ein hinreichend großes Startkapital, die Partei zu einen und wieder auf Vordermann zu bringen.

Zentrale Personalie wird unbeantwortet bleiben

Und auch nach dem Digital-Date wird eine zentrale Personalie unbeantwortet bleiben, die damoklesschwertartig über dem notwendigen Neustart schwebt: Beansprucht Merz auch den Fraktionsvorsitz für sich, muss Amtsinhaber Brinkhaus dem machtbewussten Sauerländer weichen? Die erbittert ausgetragene und folgenschwere Rivalität zwischen Armin Laschet und Markus Söder müsste der Union Anlass geben, hier schnell eine vernunftgetragene Lösung herbeizuführen.

Eine solche hat Angela Merkel der CDU mit ihrem Verzicht auf den Ehrenvorsitz geliefert. Da ist zu viel Distanz und Dissonanz im Spiel, ein konsequenter Schlussstrich naheliegend. Und nicht zuletzt das „Grottenschlecht“-Testat aus dem Merz-Mund dürfte Merkel die Laune, glückselig eine Ehrenurkunde aus der Hand dieses Mannes entgegenzunehmen, verhagelt haben.

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