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Kommentar

Wintereinbruch: Der Schnee von gestern

Auch das noch. Der Winter ist zurück – und wie. Als ob Deutschland nicht schon genug Arbeit mit der Bewältigung der Corona-Pandemie hätte. Da hilft nur Gelassenheit.

Andreas Fier

Foto: Matthias Ahlke

Nach dem „Lockdown“ nun der „Flockdown“. Die Deutschen bleiben wieder zu Hause – genug Zeit zum Üben hatten wir ja.

Die Natur lässt einmal mehr die Muskeln spielen. Unsere Gesellschaft – effizient, straff organisiert und hoch technisiert – ist auf solche Wetterunbilden inzwischen bestens vorbereitet. Und doch maximal anfällig. 40 Zentimeter Schnee mögen Skandinaviern ein müdes Lächeln entlocken – in unserem System sind sie schlichtweg nicht vorgesehen.

Wenn nicht mehr jedes noch so kleine Rad ins andere greift, haben kleine Ursachen große Wirkungen. Senioren warten vergeblich auf den Pflegedienst, ersehnte Impfungen werden verschoben, ausgeklügelte Logistik-Ketten sind unterbrochen. Und doch läuft vieles rund. Nachbarn schippen gemeinsam Schnee, räumen frühmorgens den Gehweg beim 80-Jährigen, der zwei Häuser weiter wohnt. Eine Zwangspause, um sich auf die wichtigen Dinge im Leben zu besinnen. Der Schnee von heute ist morgen schon der Schnee von gestern.

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