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Bluttat an der Tankstelle in Idar-Oberstein

Wütende Worte, blutige Taten

Eine entsetzliche Bluttat: Ein Mann schießt einem Tankstellenmitarbeiter in den Kopf, weil der ihn an die Maskenpflicht erinnert. Nach der Radikalisierung der Querdenker-Bewegung und Corona-Maßnahmen-Gegner in den vergangenen Monaten war zu befürchten, das wütende Worten zu blutigen Taten führen könnten. Ein Kommentar.

Von Martin Ellerich

Blumen, Kerzen und Botschaften an das Opfer liegen an einer Tankstelle in Idar-Oberstein, wo ein Angestellter erschossen worden ist. Foto: Foto: dpa

Es ist die Tat eines Einzelnen. ­Viele Hintergründe sind unklar. Aber: Sollte sich bestätigen, dass die Ablehnung der Corona-Maßnahmen der Auslöser der Bluttat an der Tankstelle war, es wäre alles andere als überraschend: Jedem, der die Internet-Kommentare der Szene und ihre immer aggressiveren Demos verfolgt hat, muss der töd­liche Schuss wie ein Mord mit Ansage erscheinen. Seit Monaten warnen Verfassungsschützer wegen der Radikalisierung der Szene: Anschläge nicht ausgeschlossen.

Keine Frage: Kritik an der Corona-Politik ist legitim. Wer sich aber angesichts der demokratisch legitimierten Regeln „im Widerstand“ gegen eine DDR 2.0 wähnt, wer die 2G-Regel auf eine Stufe mit der Ausgrenzung durch den Judenstern stellt, wer sich in der Tradition der Kämpfer gegen das NS-Unrecht sieht und vom Widerstandsrecht nach Art. 20 des Grundgesetzes gegen die „Corona-Diktatur“ raunt – darf der sich unschuldig wundern, wenn ein Verwirrter solchen Unsinn ernst nimmt?

Ein Blick in die einschlägigen Teile der „sozialen“ Netzwerke zeigt: Der Todesschuss auf den couragierten 20-Jährigen hat dort keinen heilsamen Schock ausgelöst – im Gegenteil: Verantwortlich wären diejenigen, die mit ihren Corona-Regeln die Aggression geweckt hätten, ist da zu lesen. Es gibt in dieser Szene für Verfassungsschutz und Polizeibehörden offensichtlich viel zu tun.

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