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Meldungen über Re-Infektion

Zeit und Erkenntnis

Es war lange nur ein vager Verdacht, nun hat er sich erhärtet: Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert waren, können sich ein zweites Mal anstecken. Wird die Welt dadurch im Kampf gegen das Virus zurückgeworfen? Ein Kommentar. 

Frank Polke

Anders als etwa bei Masern ist man nach einer Coronavirus-Infektion offenbar nicht völlig immun. Neue Ansteckungen sind möglich. Foto: Marius Becker

Sehnsüchtig wird ein sicherer und wirksamer Impfstoff herbeigesehnt, von Menschen, die Angst haben oder von der Hoffnung beseelt sind, bald wieder ein normales Leben führen zu können. Oder von Regierenden herbeigeredet, die sich davon die eigene Wiederwahl (Trump) oder wenigstens ein Aufhübschen des ramponierten Ansehens des Landes oder der Person (Putin) versprechen.

Doch das Virus richtet sich weder nach politischen Vorgaben noch nach subjektiven Hoffnungen, sondern hält viele negative Unwägbarkeiten bereit. Dazu zählt nach wie vor die Möglichkeit, dass Menschen auch nach der Genesung keine gesicherte und anhaltende Immunität ausgeprägt haben und sich somit erneut ­infizieren können.

Covid-19 zwingt unserer auf schnelle Lösungen fixierten Gesellschaft ein neues Muster auf. Wissenschaft, Medizin und Politik benötigen erst fundierte Erkenntnisse, die über Einzelfallbetrachtungen hinausgehen. Danach brauchen sie die Zeit, um aus diesem Wissen heraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Und am Schluss die Instrumente, diese in praktische Maßnahmen umzusetzen und den viel beschworenen Kampf mit dem Tiger zu gewinnen.

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