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Kommentar

Zu lange vor den Mängeln in Unterkünften der Fleischbranche weggeschaut

Die Unterkünfte angeheuerter Arbeiter in der Fleischindustrie sind teilweise unter aller Sau. Das offenbart ein aktueller Kontrollbericht aus NRW.

Jürgen Stilling

Wohnsiedlung von Tönnies-Mitarbeitern in Quarantäne. Foto: Noah Wedel via www.imago-images.

Sie kommen meist nur für einige Monate nach Deutschland, um ihre kargen Einkommen in Rumänien, Bulgarien oder Polen aufzubessern. Doch die Bedingungen, die sie hierzulande vorfinden, sind sehr unterschiedlich. Während die Saisonarbeiter in der Landwirtschaft in der Regel mit Respekt behandelt und angemessen untergebracht werden, offenbaren die Kontrollen der Behörden in der nordrhein-westfälischen Fleischindustrie ein Desaster.

Damit setzt sich fort, was viele schon lange ahnten und durch die massenhaften Corona-Ausbrüche bei Konzernen wie Tönnies und Westfleisch greifbar wurde: In der Fleischindustrie werden beim Bemühen, die Kosten zu drücken, manche gesetzliche und vor allem viele moralische Regeln über Bord geworfen.

Die Politik hat jahrelang ihr Scherflein zu dieser Praxisbeigetragen, indem sie entsprechenden Hinweisen von Tierschützern und Gewerkschaften auf unhaltbare Zustände in der Branche nicht konsequent genug nach­gegangen ist. Bleibt zu hoffen, dass die in der Corona-Pandemie gewachsene Sensibilität für diese Themen langfristige Folgen hat. Neue Regeln müssen her – und deren Einhaltung muss regelmäßig überprüft werden.

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