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Gedenken an die Corona-Toten

109 weiße Rosen, 109 weiße Kerzen

Münster

Direkt vor dem Dom wurde am Sonntag den Corona-Toten gedacht. Dabei kamen die Teilnehmer der Gedenkfeier keineswegs nur aus Münster.

Timo Gemmeke

Anne Struck (r.) und Lan Tong Foto: Gemmeke

Mit Trauergeläut in mehreren Kirchen und einer Veranstaltung auf dem Domplatz ist am Sonntag auch in Münster der am Coronavirus Verstorbenen in Deutschland gedacht worden.

109 weiße Rosen, 109 weiße Kerzen: Sie sollten am Sonntag an die Zahl derer erinnern, die seit Beginn der Pandemie in Münster am Virus verstorben sind. Blumen und Kerzen in Form eines großen Herzens auf den Domplatz zu legen und zum gemeinsamen Gebet einzuladen, war Dieter Wienands Idee. „Es ist wichtig, dass es endlich einen Tag gibt, an dem wir gemeinsam trauern können“, so Wienand.

Dass es – wie bundesweit geplant – neben wenigen öffentlichen Veranstaltungen vor allem Trauergeläut sein sollte, das an die Verstorbenen erinnert, habe er bereits bei der Ankündigung vor einigen Wochen kritisch gesehen. „Ich habe einen Brief an den Bundespräsidenten geschrieben, mit der Bitte, den Gedenktag noch stärker in die Öffentlichkeit zu rücken.“ Als er keine Antwort bekommen habe, sei er selbst tätig geworden, um „jeden einzelnen Verstorbenen sichtbar zu machen“.

Oberbürgermeister Markus Lewe beim Gebet auf dem Domplatz

Dennoch sei die Gedenkfeier nicht als Konkurrenzveranstaltung gedacht: „Wir unterstützen den Aufruf des Bundespräsidenten mit dieser Aktion und sind froh, dass hier offizielle Vertreter der Stadt mit uns trauern.“ Auch Oberbürgermeister Markus Lewe nahm am gemeinsamen Gebet auf dem Domplatz teil.

Gedenken an die Corona-Toten: Auch OB Markus Lewe nahm am Gebet auf dem Domplatz teil. Foto: Timo Gemmecke

Unter den Trauernden waren auch Anne Struck und Lan Tong, die aus Köln für die Gedenkfeier nach Münster gekommen waren. „In Deutschland gab es lange keine richtige Trauerkultur um die Toten der Pandemie“, sagt Anne Struck. Der bundesweite Gedenktag sei nun ein wichtiges Zeichen der gemeinsamen Anteilnahme. „Jede Kerze und jede Rose, die hier auf dem Domplatz liegt, steht für einen Menschen, der wegen Corona verstorben ist. Es ist wichtig, an jeden einzelnen von ihnen zu erinnern.“

Persönliches Schicksal

Für Lan Tong war es nicht nur der offizielle Gedenktag, der sie nach Münster brachte – sondern ein ganz persönliches Schicksal. „Meine Schwiegermutter ist im vergangenen Jahr am Coronavirus verstorben. Ihr und allen anderen will ich heute gedenken und für sie beten.“

Carolin Krabs und Stephan Neuhaus aus Dortmund gedenken in der Lambertikirche den an Covid-19 Verstorbenen. Foto: Timo Gemmecke

Dass parallel zur Gedenkfeier wieder eine Auto-Demonstration von Gegnern der Corona-Maßnahmen veranstaltet wurde, stieß auf Unverständnis bei vielen Trauernden.

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