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„Kultur des Hinschauens“

1250 pastorale Mitarbeiter erhalten rechtliches, pädagogisches und psychologisches Rüstzeug

Rheine/Münster

„Wir wollen zugleich noch einmal deutlich machen: In unserer Kirche gibt es keinerlei Toleranz für das Verbrechen sexualisierter Gewalt.“ Nach den aufgeregten Debatten der vergangenen Wochen um die von vielen als zu schleppend empfundene Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Raum der Kirche stellte Münsters Bischof Felix Genn diese Leitmarke gestern noch einmal ins Zentrum seiner Ausführungen. Nach Jahren der schmerzlichen Rückschau und Aufarbeitung will das Bistum Münster sich nun verstärkt der Prävention zuwenden, und zwar mit spürbarer Breiten- und Tiefenwirkung.

Johannes Loy

Bischof Felix Genn und die Präventionsbeauftragte des Bistums Münster, Prof. Dr. Reinhild Ahlers, stellten gestern die Eckpunkte der Schulung für 1250 pastorale Mitarbeiter im nordrhein-westfälischen Teil des Bistums Münster vor. Foto: Jürgen Peperhowe

Schützende Strukturen bilden, die Professionalisierung der pastoralen und pädagogischen Arbeit vorantreiben, eine Kultur des Hinschauens entwickeln, sexualisierte Gewalt erkennen und angemessen dagegen vorgehen: Das sind einige der formulierten Ziele der Schulung, die gestern verbindlich für rund 1250 Mitarbeiter im nordrhein-westfälischen Teil des Bistum Münster begonnen hat. Priester, Pastoralreferentinnen und -referenten sowie die Ständigen Diakone im Hauptberuf werden im laufenden Jahr komplett an dieser zweitägigen Schulung teilnehmen. Domkapitular Hans-Bernd Köppen, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge-Personal im Bischöflichen Generalvikariat Münster, erläuterte vor Journalisten, worum es konkret geht: Rechtliche Bestimmungen und gesetzliche Anforderungen werden nach seiner Auskunft ebenso angesprochen wie Maßnahmen von Prävention und Schutz im persönlichen Arbeitsumfeld. Handlungsleitfäden für den Krisenfall werden ebenso vorgestellt wie Unterstützungsmaßnahmen durch geschultes Beratungspersonal. Auch die eigene Reflexion im Hinblick etwa auf das angemessene Verhältnis von Nähe und Distanz soll im Zentrum der Schulungen stehen. „Sicher ist Seelsorge ohne Nähe nicht möglich. Aber umso wichtiger ist es, die Grenzen zu kennen und einzuhalten“, betonte Köppen.

Dr. Martin Wazlawik, Geschäftsführer der katholischen Landesarbeitsgemeinschaft für den Kinder- und Jugendschutz NRW, wies mit der Präventionsbeauftragen des Bistums, Prof. Dr. Reinhild Ahlers, darauf hin, dass es jetzt nicht um ein „Abhaken“ gehe. Das Thema müsse von der Bistumsleitung bis in die Verästelungen der Pfarreien und Verbände dringen: „Für die Zukunft wird es weiter Aufgabe sein, die Schulungen und die anderen Präventionsmaßnahmen strukturell zu verankern und dauerhaft zu sichern.“ Bischof Felix Genn unterstrich dies: „Das Thema bleibt – so schmerzlich dies auch sein mag – ein Thema für uns alle!“

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