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Die Katholikentage in Münster

1930 kamen 130.000 Gläubige vor dem Schloss zusammen

Münster

Der Katholikentag 2018 ist nicht der erste, der in Münster stattfindet. Bereits 1852, 1885 und 1930 trafen sich in Münster die deutschen Katholiken. Und auch 1914 war ein Katholikentag geplant – doch der wurde kurz vor Beginn abgesagt.

Martin Kalitschke

130 000 Gläubige kamen 1930 zum Abschlussgottesdienst des Katholikentages vor dem münsterischen Schloss. Foto: Stadt Münster

Die Geschichte der münsterischen Katholikentage reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. 1852, kurz nach der Revolution von 1848, fand die „Generalversammlung des katholischen Vereins“ erstmalig in Münster statt, weitere Veranstaltungen folgten in den Jahren 1885 und 1930. Auch der Katholikentag 1914 sollte in Münster stattfinden – kurz vor Beginn brach allerdings der Erste Weltkrieg aus, er wurde daher abgesagt.

Der erste münsterische Katholikentag war noch weit von einer Großveranstaltung entfernt. Gerade mal 400 – namentlich bis heute bekannte – Personen kamen hier 1852 zusammen. „Das Programm passte auf eine Seite Papier“, berichtet Dr. Holger Arning, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte. Zum Vergleich: 2018 hat das Programmheft 680 Seiten!

Gartenfest mit 15.000 Teilnehmern

Dennoch fand auch der erste Katholikentag in Münster bereits unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt. „Die Stadt legte ihr Festkleid an. Hoch vom Thurme flatterte die Fahne des heiligen Kreuzes, weithin die Nahenden grüßend; in den Hauptstraßen wehten zahlreiche Flaggen und Wimpel. Auf dem Bahnhofe hatte sich eine große Menge eingefunden, die Gäste zu empfangen und in die Stadt zu geleiten“, heißt es in einem zeitgenössischen Bericht. Einer der prominentesten Redner war damals Adolph Kolping.

1852 fanden die Teilnehmer noch in zwei Sälen Platz, 1885 fiel der Katholikentag bereits deutlich größer aus. „Ein hölzernes Zirkuszelt auf dem Schlossplatz, das eigentlich abgebaut werden sollte, blieb stehen und bot 5000 Menschen Platz“, berichtet Arning. Rundherum wurden Lampions aufgehängt und eine italienische Landschaft nachgebildet. „Münster war bis in die Vororte geschmückt“, so Arning.

Das Deutsche Reich hatte gerade den Kulturkampf hinter sich – erst ein Jahr zuvor war der münsterische Bischof aus dem niederländischen Exil zurückgekehrt. „In Münster wollten die Katholiken den Protestanten in Berlin zeigen, wie mächtig sie sind“, sagt Arning. Zu den gesellschaftlichen Höhepunkten gehörte 1885 ein großes Gartenfest mit 15.000 Teilnehmern im Garten des Schützenhofes an der Hammer Straße.

Bislang größter Katholikentag 1930

1914 war bereits alles für den nächsten Katholikentag in Münster hergerichtet. Eine große, kostspielige Festhalle war auf dem Schlossplatz errichtet worden, sie sollte Tausenden Menschen Platz bieten. Auch ein Stadtführer für die „61. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands“ war bereits gedruckt. Vor dem Hauptbahnhof stand schon das Gerüst für einen Begrüßungsbogen. Dann brach der Erste Weltkrieg aus, und das Ereignis wurde abgesagt.

1930 schließlich fand der bislang größte Katholikentag in Münster statt. Allein zum Abschlussgottesdienst vor dem Schloss – der erstmalig vom Rundfunk übertragen wurde – kamen 130.000 Gläubige. Ein Chor mit 2400 Sängern sorgte für die musikalische Begleitung. Einer der Höhepunkte war die Ernennung des münsterischen Bischofs Johannes Poggenburg zum Erzbischof, die der Päpstliche Nuntius auf der Abschlussveranstaltung bekannt gab. Nuntius und frisch gebackener Erzbischof fuhren anschließend in einem bekränzten Wagen durch die Stadt und wurden von der Bevölkerung bejubelt.

Hinter der Fassade knirschte es allerdings gewaltig – „schließlich befand sich Deutschland in einer politischen und wirtschaftlichen Krise“, berichtet Holger Arning. Auf dem Katholikentag erhoben Rechtskatholiken, die von der Zentrums-Partei enttäuscht waren, das Wort.

In einem abschließenden Kompromiss-Beschluss sprach sich der Katholikentag gegen Rassen- und Klassenhass aus, geißelte aber auch eine „äußere, formale Demokratie“ – die mit der Wahl von Adolf Hitler zum Reichskanzler nur zweieinhalb Jahre später Geschichte sein sollte.

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