Prozess wegen versuchten Totschlags

21-Jährigen drohen mehrjährige Freiheitsstrafen

Münster

Unklar ist immer noch, welcher der drei 21-jährigen Angeklagten dem 42-jährigen Bochumer im Herbst am Hafen einen lebensgefährlichen Stich in den Bauch versetzt hat. Klar ist seit dem achten Verhandlungstag, dass alle drei voll schuldfähig sind – und mit mehrjährigen Haftstrafen rechnen müssen.

Pjer Biederstädt

Am achten Verhandlungstag führte die 21. Strafkammer des Landgerichts Münster die Beweisaufnahme fort. Das Strafverfahren richtet sich gegen drei 21 Jahre alte Männer aus Münster, denen vorgeworfen wird, im September 2020 in Münster einen 42-Jährigen erheblich verletzt zu haben. Foto: Caroline Seidel/dpa

Drei Gutachten, drei Mal stand unterm Strich: voll schuldfähig. Psychiatrische Sachverständige haben am Donnerstag vor dem Landgericht ihre Einschätzungen zu den drei 21-Jährigen auf der Anklagebank gegeben. Den Männern wird vorgeworfen, im Herbst vergangenen Jahres einen 42-jährigen Bochumer am Hafen schwer verletzt zu haben. Zwei müssen sich wegen versuchten Totschlags, einer wegen Körperverletzung verantworten.

Unklar ist bisher, wer für den lebensbedrohlichen Messerstich in den Bauch des Opfers verantwortlich ist. Auch die von der Vorsitzenden Richterin Cornelia Oen zu Beginn des achten Verhandlungstages vorgelesenen Ergebnisse einer Untersuchung auf DNA-Spuren an einer Jacke und einem Messer führten ins Leere. Klar ist hingegen durch die Gutachten, dass der Strafrahmen für die drei Angeklagten nicht abgemildert wird – es drohen mehrjährigen Freiheitsstrafen.

Das Messer durchs Gesicht gezogen

Für den Angeklagten, der dem Opfer während des Streits mit einem Messer Schnittwunden im Gesicht zugefügt haben soll, steht im Falle einer Verurteilung die Unterbringung in einer Entzugsklinik im Raum. Ihm wurde eine Alkohol- und Drogenabhängigkeit bescheinigt. „Gute Aussichten auf Besserung“ prognostizierte die Gutachterin dem Mann, sollte er in einer Klinik untergebracht werden.

Außerdem diagnostizierte die Ärztin eine Posttraumatische Belastungsstörung infolge von Kriegs- und Fluchterlebnissen.

Startseite