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Missbrauchsfall Münster

21 weitere Verhandlungstage im Prozess gegen Adrian V. angesetzt

Münster

Der Prozess gegen den Hauptbeschuldigten im Missbrauchskomplex Münster dauert voraussichtlich deutlich länger als ursprünglich geplant. Am vierten Verhandlungstag sagte erneut ein Polizeibeamter aus.

Dirk Anger

Im Missbrauchsprozess gegen Adrian V. und vier weitere Angeklagte hat das Landgericht 21 zusätzliche Verhandlungstermine angesetzt. Foto: Dirk Anger

Das Mammutverfahren um schweren sexuellen Kindesmissbrauch gegen den Hauptbeschuldigten Adrian V. aus Münster und vier weitere Angeklagte wird voraussichtlich bis bis zum 27. Mai des kommenden Jahres dauern. Die Jugendschutzkammer hat inzwischen 21 weitere Verhandlungstage angesetzt, wie aus der Gerichtsübersicht hervorgeht.

Ursprünglichen Planungen zufolge sollte der Prozess gegen die Schlüsselfigur im Missbrauchskomplex Münster am 25. Februar 2021 zu Ende gehen. Doch nachdem klar geworden war, dass sich alle fünf Angeklagten zunächst nicht zur Sache einlassen wollen, hat der Vorsitzende Richter bereits früh eine längere Prozessdauer in Aussicht gestellt. Nunmehr rechnet das Gericht mit insgesamt 50 Verhandlungstagen.

Vielzahl von Fällen schweren sexuellen Missbrauchs

In dem Verfahren geht es um eine Vielzahl von Fällen schweren sexuellen Missbrauchs an Kindern an unterschiedlichen Orten. Dabei sollen unter anderem an einem Wochenende im April dieses Jahres zwei damals fünf und zehn Jahre alte Kinder in einer Gartenlaube in Münsters Norden auf das Übelste missbraucht worden sein.

Die Rechtsvertreterin des älteren Jungen, der Sohn der Lebensgefährtin von Adrian V., beantragte am Dienstag erneut, die Öffentlichkeit von der Vernehmung eines Polizeibeamten auszuschließen. Da es um Details aus dem Intimbereich eines Nebenklägers gehe, stimmte die Erste Strafkammer diesem Antrag zu.

Die Angeklagten im Hauptprozess

  • Adrian V. steht im Mittelpunkt des Verfahrens. Er soll über lange Zeit wiederholt Kinder, vornehmlich den Sohn seiner Lebensgefährtin, sexuell missbraucht haben. Zudem bot er den Jungen anderen Männern zum Missbrauch an. Aufnahmen davon verbreitete er.
  • Carina V. war Eigentümerin der Gartenlaube in Münster-Kinderhaus, die regelmäßig Tatort der Missbrauchstaten war. Sie soll die Laube ihrem Sohn und den Mitangeschuldigten in dem Wissen überlassen haben, dass dort Jungen sexuell missbraucht werden sollten.
  • Enrico L. aus Schorfheide soll beim Treffen im April in Münster dabei gewesen sein. Zudem wird ihm vorgeworfen, im August 2018 einen damals neunjährigen entfernten Verwandten und 2020 unter anderem seinen eigenen Sohn (7) missbraucht zu haben.
  • Tobias S. aus Staufenberg soll seinen Sohn (5) mehrfach missbraucht und zum Treffen im April in Münster mitgebracht haben. Zudem missbrauchte er ein Mädchen – die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich dabei um seine Tochter (5) gehandelt hat.
  • Marco S. aus Hannover soll an schwerem sexuellem Missbrauch beteiligt gewesen sein. Der 35-Jährige soll unter anderem vom 24. bis zum 26. April 2020 beim Treffen mit den anderen Angeklagten in der Gartenlaube in Münster-Kinderhaus dabei gewesen sein.

Polizeibeamte sagen im Prozess aus

Der als Zeuge geladene Kriminalhauptkommissar war an der Auswertung von Bild- und Videomaterial beteiligt, wie es hieß. Auch an den kommenden Verhandlungstagen ist nach Gerichtsangaben die Vernehmung weiterer Polizeibeamter geplant. Auch sie sollen an der Auswertung des die Angeklagten offenbar schwer belastenden Materials beteiligt gewesen sein.

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