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Prozess im Missbrauchsfall Münster

27-Jähriger verurteilt: Neun Jahre Haft für gestandene Gräueltaten

Münster

Das Landgericht Münster hat am Dienstag einen 27-jährigen Studenten aus Aachen zu neun Jahren Haft verurteilt. Ihm werden 21 Fälle teils schweren sexuellen Missbrauchs zur Last gelegt. Die von der Staatsanwaltschaft geforderte Sicherungsverfahrung sah das Gericht jedoch nicht erfüllt.

Björn Meyer

Der 27-jährige Mann aus Aachen - hier ein Foto vom ersten Prozesstag - wurde zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt. Foto: Dirk Anger (Archivbild)

Das Landgericht Münster hat den im Missbrauchskomplex angeklagten 27-Jährigen Yunus C. am Dienstag zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt. Die Voraussetzungen für die von der Staatsanwaltschaft geforderte Sicherungsverwahrung sah das Gericht dagegen nicht erfüllt.

Sexueller Missbrauch von Kindern in 21 Fällen, in 13 davon schwerer sexueller Missbrauch, wurden dem Studenten aus Aachen zur Last gelegt. In Tateinheit war der Mann wegen Körperverletzung sowie dem Erstellen von kinderpornografischen Schriften angeklagt. Dabei war es laut Gericht dem vollumfänglichen Geständnis des Angeklagten geschuldet, dass überhaupt so viele Taten angeklagt werden konnten. „Sie haben sich selbst ans Messer geliefert“, hieß es in der Urteilsbegründung.

Richter bezeichnet Schwere der Taten als "immens"

Die Art und Weise, wie der Angeklagte die ihm zur Last gelegten Taten detailliert nachgezeichnet hatte, bezeichnete der Richter, an dieser Stelle merklich stockend, als „besonders“. Yunus C. habe Reue gezeigt und sei im Nachhinein selbstreflektiert mit seinen Taten umgegangen. Doch diese Taten, auch daran ließ der Richter keinen Zweifel, seien in ihrer Schwere „immens“.

Missbrauchshandlungen an dem Stiefsohn des Hauptangeklagten im Missbrauchskomplex, Adrian V., dazu über einen Zeitraum von zwei Jahren schwere sexuelle Missbrauchshandlungen an einem Jungen, der bei der ersten Tat zweieinhalb Jahre alt war, und den der eigene Vater dem Angeklagten mit den Worten, er könne alles mit dem Jungen machen, regelrecht zur Verfügung gestellt hatte. Dazu schwere Missbrauchstaten an zwei Kindern im familiären Umfeld, teilweise nachdem der Angeklagte die Kinder betäubt hatte.

Kein Hang zu weiteren Taten erkennbar

Die Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung im Ermessen des Gerichts seien durch die Schwere der Taten formell gegeben, so der Vorsitzende Richter. Den dafür notwendigen Hang zu weiteren Taten könne das Gericht aber nicht erkennen. „Die Sicherungsverwahrung ist das allerletzte Mittel, wenn man von außen nicht mehr einwirken kann“, so der Richter.

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