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Spektakuläre Fällaktion

30 Meter hohe Rotbuche im Botanischen Garten zerlegt

Münster

Einen spektakulären Hubschraubereinsatz gab es am Donnerstagmorgen über dem – für Besucher vorübergehend abgeriegelten – Botanischen Garten. Dort wurde eine fast 170 Jahre alte und mehr als 30 Meter hohe Rotbuche gefällt.

Von Michael Hagel

Einen spektakulären Hubschraubereinsatz gab es am Donnerstagmorgen über dem – für Besucher vorübergehend abgeriegelten – Botanischen Garten. Dort wurde eine fast 170 Jahre alte und mehr als 30 Meter hohe Rotbuche gefällt. Foto: Helmut P. Etzkorn

Als am Donnerstagmorgen um 8 Uhr das Glockenspiel auf dem Schlossturm zu läuten beginnt, wird es schon nach wenigen Sekunden vom ­Rotorgeräusch eines Helikopters übertönt. Ein Hubschrauber einer Schweizer Spezialfirma ist im Anflug, um bei der Fällung der fast 170 Jahre alten und über 30 Meter hohen Blutbuche im Botanischen Garten die tonnenschweren Äste abzutransportieren.

Irgendwie passt die Glocken-Symbolik, läutet sie doch diesem stolzen alten Baum das letzte Stündlein. Ein Brandkrustenpilz hat ihn über die Jahre dahingerafft, alle Rettungsversuche gingen letztendlich ins Leere, sodass sich die Führung des Botanischen Gartens „schweren Herzens“, wie dessen Technischer Leiter Dr. Dennise Stefan Bauer sagt, dazu entschlossen habe, den Baum fällen zu lassen.

Fällaktion war "spektakulär, aber notwendig"

„Spektakulär, aber notwendig“ sei die Aktion, sagt Björn Dewitt. Seine Baumpflegezentrale hat das hoch komplizierte Projekt organisiert und zieht es durch. „Wir haben alles gegeben, um die Blutbuche zu retten“, erklärt auch Prof. Kai Müller, Direktor des Botanischen Gartens. Dennoch seien zuletzt mehrfach schwere Äste abgestürzt. „Sie wurde verhaltensauffällig.“

Den 1855 gepflanzten Baum stehen zu lassen, „wäre schlichtweg zu gefährlich gewesen“, so Bauer. Dass viele Menschen das traurig finden, ist den Entscheidern bewusst. „Wir sind ja auch traurig.“ Schnellstmöglich soll eine knapp zehn Meter hohe Ersatzbuche gepflanzt werden – auch, um das kleine Kalkbuchenwald-Biotop dort zu erhalten.

Björn Dewitt

Doch zunächst rattert der doppelrotorige Helikopter im Minutentakt über den abgesperrten Garten. Vier Spezial-Baumkletterer des von Dewitt hinzugezogenen Schweizer Unternehmens krallen sich im Geäst des Baumes fest, sägen Äste heraus und klinken die zuvor dort gespannten Seile in das fast 80 Meter lange Stahlseil des Hubschraubers.

Mit über zwei Tonnen schweren Ästen und Stammteilen fliegt der Heli gut 40 Rotationen zwischen Teich und Parkplatz des Schlossgarten-Restaurants, wo acht Mitarbeiter der Baumpflegezentrale ihre Motorsägen im Akkord kreischen lassen. „Die müssen jeden Ast so schnell zerlegen, dass der Helikopter direkt wieder den nächsten ausklinken kann“, erklärt Dewitt. Schweißtreibende Präzisionsarbeit.

Hubschraubereinsatz war günstiger als Kranfällung

Interessanterweise kostet der spektakuläre Hubschraubereinsatz mit gut 48.000 Euro, wovon die Uni dank eines Förderers nur die Hälfte übernehmen muss, deutlich weniger als eine Kranfällung. „Das liegt an dem schwer zugänglichen Gelände rund um die Buche“, sagt Bauer. Wie außergewöhnlich die Aktion ist, zeigt der Umstand, dass es selbst für die europaweit agierende Schweizer Firma einer der größten Bäume ist, den sie je gefällt hat.

Gegen Mittag ist von der Blutbuche nur noch ein gut anderthalb Meter hoher Stamm übrig. „Den wollen wir stehen lassen“, sagt Bauer.

Spender für Ersatzbaum gesucht

Für den Ersatzbaum hat der Förderkreis des Gartens bereits Geld gesammelt, „aber das reicht leider noch nicht“, sagt dessen Vorsitzender Claus Dapper. „Wir suchen also noch Spender“, so Garten-Direktor Müller. Damit der Verlust hinterm Garten-Teich künftig nicht mehr ganz so groß ist.

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