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Missbrauchskomplex: Weiterer Prozess beginnt

38-Jähriger räumt nur ein, was kaum zu leugnen ist

Münster

Was geschah in einem Waldstück bei Dülmen? Der Staatsanwalt erhebt im Zuge des Missbrauchskomplexes Münster schwere Vorwürfe gegen einen 38-Jährigen aus Wuppertal.

Von Dirk Anger

Prozessauftakt gegen einen 38-Jährigen aus Wuppertal. Foto: Dirk Anger

Der 38 Jahre alte Mann aus Wuppertal betritt, in einem blütenweißen Hemd gekleidet, den Gerichtssaal. Doch das lenkt nicht von den abscheulichen Vorwürfen ab, die der Staatsanwalt wenig später beim Verlesen der Anklage gegenüber Stefan S. erhebt. In einem Waldstück bei Dülmen soll dieser am 13. März 2019 den im Missbrauchskomplex Münster am häufigsten vergewaltigten Jungen selbst schwer sexuell missbraucht haben – im Beisein von dessen schon zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilten Stiefvater Adrian V. aus Münster.

Der Angeklagte räumt nach Gerichtsangaben bei seiner Vernehmung unter Ausschluss der Öffentlichkeit am Dienstag lediglich das Treffen vor Ort ein, den vorgeworfenen Missbrauch indes nicht. Beim Prozessauftakt verbirgt der verheiratete Mann sein Gesicht hinter einem Aktenordner. und gibt zu, was wohl kaum zu leugnen ist: den Besitz von Kinderpornografie.

Denn bei einer Durchsuchung seiner Wohnung im Dezember 2020 haben die Ermittler nach eigenen Angaben verschiedene Datenträger sichergestellt, auf denen mindestens 127 kinderpornografische Dateien gefunden worden sind.

Chat-Protokolle stehen im Mittelpunkt

Die Anklage gegen den Wuppertaler stützt sich im Wesentlichen auf gespeicherte Chat-Protokolle, die die den Missbrauchskomplex Münster untersuchende Ermittlungskommission „Rose“ ausgewertet hat. Eine mögliche Unterbringung des Mannes in der Psychiatrie wird ebenfalls im Rahmen des Prozesses geprüft.

Am ersten von geplanten fünf Verhandlungstagen sagen noch zwei Zeugen aus. Die Vernehmungsbeamtin des kindlichen Opfers kommt hinter geschlossenen Türen zu Wort. Ein IT-Experte der Polizei erläutert, wie es über den Chat zur Identifizierung des Angeklagten gekommen ist.

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