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Neue Coronavirus-Fälle in Münster

40 Kinder und Eltern in Quarantäne

Münster

Die Erzieherin einer Kita und ein Mann aus Senden (Kreis Coesfeld) wurden in Münster positiv auf das Coronavirus getestet. Bei einer Pressekonferenz wurde am Mittwoch die aktuelle Lage erläutert.

Ralf Repöhler

In Münster gibt es zwei neue bestätigte Corona-Fälle. Eine Kita wurde am Mittwochmorgen geschlossen. Foto: Matthias Ahlke

Die junge Frau war Karneval feiern. Ausgerechnet im Kreis Heinsberg, wo inzwischen über 100 Coronavirus-Fälle bekannt geworden sind. Als sich Symptome bei der 24-jährigen Erzieherin einstellten, informierte sie ihren Arbeitgeber, den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Die Stadt schloss am Mittwochmorgen die Julius-Moses-Kita am Dahlweg, die von 39 Kindern besucht wird und in der insgesamt 13 Beschäftigte arbeiten.

„40 engere Kontaktpersonen der Erzieherin wurden in häusliche Quarantäne geschickt, darunter sind die Kinder aus ihrer Kita-Gruppe, Geschwisterkinder und Eltern“, berichtet der Leiter des städtischen Gesundheitsamtes, Dr. Norbert Schulze Kalthoff. Durch die 14-tägige Maßnahme soll sichergestellt werden, dass dieser Infektionsherd keine Kreise zieht. Auch der Lebensgefährte der Frau, der es gut gehe, ist in Quarantäne.

49-Jähriger hatte Fieber

Die Stadt informierte am Mittwochmittag über zwei weitere Corona-Fälle in Münster. Neben der jungen Erzieherin hatte sich ein 49-jähriger Mann aus Senden, der im Clemenshospital operiert werden sollte, infiziert. Er habe kaum Symptome gezeigt, bis auf Fieber. Daraufhin sei er positiv auf den neuen Erreger getestet worden. Auch der Sendener befinde sich auf dem Wege der Besserung und sei am Nachmittag in häusliche Quarantäne entlassen worden.

Die Eltern erfuhren am frühen Mittwochmorgen, dass die Erzieherin am Coronavirus erkrankt sei und die Einrichtung vorsorglich geschlossen werde. „Die meisten Eltern haben das sehr gelassen aufgenommen. Nur zwei haben Nachfragen gestellt“, sagt ASB-Geschäftsführer Dirk Winter.

Kommentar: Virus kommt näher

Ja, Besonnenheit. Dazu raten alle. Mit kühlem Kopf dem Coronavirus begegnen: Das ist leichter gesagt als getan. Corona ist in der Stadt, insgesamt drei Fälle sind bekannt. Darunter ausgerechnet eine Erzieherin, die Kontakt zu Kindern in einer nun geschlossenen Kita hatte.

Verständlich, dass Eltern alarmiert sind. 40 Kinder, Geschwister, die in Schulen gehen, und Eltern selbst sind in häuslicher Quarantäne. Als sie ihre Kleinen am Morgen zur Kita am Dahlweg brachten, erfuhren sie von der Infektion der Erzieherin. Die meisten Eltern hätten das gelassen aufgenommen. Bei Kindern ist der Verlauf einer möglichen Erkrankung sehr milde, wird betont.

Alles dreht sich um Corona: bei Ärzten, in Krankenhäusern, Unternehmen und der Stadtverwaltung. Der Krisenstab tagt, der Oberbürgermeister trifft die Landräte. Veranstaltungen werden abgesagt. Die Menschen hamstern. Drei von 300 000 Menschen haben sich infiziert. Das ist die Lage in Münster. Bleiben Sie besonnen! (Von Ralf Repöhler)

Die Kinder, die direkten Kontakt zu der Erzieherin hatten, werden getestet. „Bislang sind uns keine weiteren Fälle bekannt“, sagt Schulze Kalthoff. Prof. Dr. Stephan Ludwig, der das  Institut für Molekulare Virologie an der Universität leitet, ergänzt, dass die Verläufe einer möglichen Erkrankung bei Kindern sehr milde wären.

Info-Hotline der Stadt

Das städtische Gesundheitsamt hat mittlerweile eine Info-Hotline zum Coronavirus eingerichtet. Diese ist unter der Telefonnummer 0251/492-1077 erreichbar. Wie die Stadt mitteilt, ist die Hotline zu den folgenden - zunächst vorläufigen - Beratungszeiten erreichbar:

Die junge Erzieherin hatte während der Karnevalstage eine Veranstaltung im Kreis Heinsberg besucht. Als sich bei einer Bekannten, die sie begleitet hatte, Symptome zeigten, habe die Münsteranerin ihren Arbeitgeber, den ASB, informiert. Der habe sie vom Dienst freigestellt und die ärztliche Untersuchung angeordnet, so Winter. Der Test verlief positiv, das Gesundheitsamt wurde informiert, die Kita geschlossen.

Am Wochenende war in Münster der erste Corona-Fall bekannt geworden. Ein 51-jähriger Mann zeigte Symptome. Er ist nach kurzem Aufenthalt im Uniklinikum zu Hause in Quarantäne.

Verdachtsfall bei der LVM

Bei der LVM-Versicherung in Münster gibt es nach Angaben einer Sprecherin einen weiteren Verdachtsfall. Eine Mitarbeiterin hatte demnach am vergangenen Wochenende im privaten Bereich bei einer Sportveranstaltung Kontakt zu einer Person, die inzwischen als Corona-Fall bestätigt wurde. Die LVM hat ihre Mitarbeiter intern darüber informiert. Laut der Sprecherin habe sich der Verdacht bei der Mitarbeiterin bislang nicht bestätigt, die Testergebnisse werden wohl am Freitag vorliegen.

Bei der Versicherung wurden nun die ersten Maßnahmen eingeleitet. Die Mitarbeiterin sei am Mittwoch zu Hause geblieben. Es werde geprüft, welche Kontaktwege sie im Haus genommen hat. Der Flur, auf dem die Frau sonst arbeitet, wurde verschlossen. Die Kollegen aus ihrem direkten Umfeld arbeiten von zu Hause. Betroffen sei laut LVM jedoch nur ein kleines Team.

Bund untersagt Ausfuhr von Schutzkleidung

Der Bund zieht den Nachschub dringend benötigter medizinischer Schutzkleidung an sich und unterbindet Ausfuhren in andere Länder. Das Gesundheitsministerium beschafft solche Ausrüstung nun zentral für Arztpraxen, Krankenhäuser und Bundesbehörden. Auf Anordnung des Wirtschaftsministeriums wird zudem der Export medizinischer Schutzausrüstung wie Atemmasken, Handschuhen und Schutzanzügen ins Ausland verboten.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat Arbeitgebern im Gesundheitswesen mangelnde Vorbereitung beim Arbeitsschutz vorgeworfen. „Es kann nicht sein, dass die Arbeitgeber im Gesundheitswesen im Arbeitsschutz so schlecht vorbereitet sind, wie sie jetzt vorbereitet waren.“ Arbeitsschutz sei Sache der Arbeitgeber. Mitarbeiter von Praxen und Kliniken kritisieren, dass ihnen Schutzausrüstung für den Behandlung möglicher Coronavirus-Infizierter fehle.

von -hir-

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