1. www.wn.de
  2. >
  3. Muenster
  4. >
  5. 58-jähriger Zeuge verstrickt sich in Widersprüche

  6. >

Missbrauchsfall Münster

58-jähriger Zeuge verstrickt sich in Widersprüche

Münster

33. Verhandlungstag im Missbrauchsprozess gegen Adrian V. und vier weitere Angeklagte. Im Mittelpunkt stand der Ex-Freund von Carina V. – der ebenfalls angeklagten Mutter des Hauptbeschuldigten. Dabei verstrickte sich der 58-Jährige mehrfach in Widersprüche.

Pjer Biederstädt

Im Prozess gegen Adrian V. – vorne stehend hinter einem Aktendeckel – und vier Mitangeklagte sagte am 33. Verhandlungstag der ehemalige Lebensgefährte von Carina V. aus. Carina V. ist die Mutter von Adrian V. und ebenfalls angeklagt. Foto: Dirk Anger

Seltsame Zeugenbefragung am 33. Verhandlungstag im Missbrauchsprozess gegen Adrian V. und vier weitere Angeklagte: Geladen war der Ex-Freund der ebenfalls angeklagten Carina  V. Der Mutter von Adrian V. wird vorgeworfen, ihre Gartenlaube ihrem Sohn und weiteren Mitangeschuldigten in dem Wissen überlassen zu haben, dass dort Jungen sexuell missbraucht werden sollten.

Ihr Ex-Freund will von all dem lange nichts gewusst haben und gab im Zeugenstand, wie der Vorsitzende Richter betonte, „kein gutes Bild ab.“ Bis Ende 2014 war der 58-Jährige nach eigenem Bekunden mit Carina V. zusammen. Auf die Frage nach dem Grund der Trennung wusste der Zeuge am Montag vor dem Landgericht zunächst keine Antwort. Erst als der Vorsitzende Richter – bereits genervt von den unkonkreten Angaben des Zeugen – diesen an das Strafmaß für Falschaussagen von mindestens einem Jahr Haft erinnerte, sagte er: „Mir wurde das zu viel. Die Polizei stand öfter vor der Tür.“

Zeuge wurde selbst angezeigt

Gemeint waren die Wohnungsdurchsuchungen im Hause V. nach kinderpornografischem Material zwischen 2011 und 2014. Worum es bei den Durchsuchungen ging, will der Zeuge nicht gewusst haben. „Haben Sie denn nicht nachgefragt?“ Antwort: „Nein“. Auch nicht, als er 2014 selbst wegen Besitzes von kinderpornografischem Material angezeigt wurde, will der Richter wissen. Doch, beteuert der Zeuge, aber er habe mit der Sache ja nichts zu tun gehabt. Die Anzeige wurde fallengelassen.

Glaubhafter als diese Aussagen waren die Schilderungen zu Adrian V. und dessen Mutter: Carina V. habe immer schützend die Hand über ihren Sohn gehalten. Er habe wie ein Einsiedler gelebt.

Neben dem Ex-Freund wurden zwei weitere Zeugen gehört. Der Vormund eines Opfers sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Ein Toxikologe beschrieb die Wirkung der K.O.-Tropfen, die den Opfern vor dem Missbrauch verabreicht worden sein sollen.

Des Weiteren stellte der Verteidiger von Carina V. den Antrag, seine Mandantin aus der Untersuchungshaft zu entlassen.

Startseite