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Nach Ausschreitungen 

Polizei sperrt Aasee-Wiesen 

Münster

Nach den heftigen Ausschreitungen zwischen Polizei und Feiernden am Freitag sind die Sicherheitsvorkehrungen am Aasee nochmal verschärft worden. Das Fazit vom Samstag: friedlicher, aber längst noch nicht friedlich.

Timo Gemmeke

Die Polizei musste am Samstag erneut am Aasee einschreiten.  Eine Person wurde von mehreren Polizisten gewaltsam am Boden fixiert, weil sie sich gegen eine Gewahrsamnahme wehrte. Foto: Timo Gemmeke

Gegen Mitternacht bot sich am Samstag ein ähnliches Bild wie nur 24 Stunden zuvor: Wieder feierten etwa 600 junge Menschen zwischen Aaseekugeln und Ufer mit Musik und massig Alkohol. Und wieder bildete sich in genau dieser Zone die hitzige, schlecht kontrollierbare Stimmung, die am Freitag Ausgangspunkt der späteren Ausschreitungen war. Um einer erneuten Eskalation vorzubeugen, war die Polizeipräsenz im Vergleich zum Vortag sichtlich erhöht worden. Schienen die Einsatzkräfte am Freitag in einigen Situationen überfordert – etwa bei der Festnahme eines jungen Mannes, dessen Gegenwehr und die der Umherstehenden den Polizisten den eingesetzten vier Beamten schwer zu schaffen machte – konnten Gruppen der Bereitschaftspolizei brenzlige Situationen am Samstag schneller entschärfen.

Friedlich war die Nacht dennoch nicht: Gegen 1 Uhr führte die Polizei einen jungen Mann vom Gelände, der vor der feiernden Menge auf eine der Kugeln geklettert war. Wenig später wurden erneut zwei Personen nach einem Streit vom Gelände abgeführt. Kurz nach 2 Uhr kam es zu einer Rangelei, an der mehrere Feiernde beteiligt waren. Als einige von ihnen umhergeschubst wurden und zu Boden gingen, stürmten mehr als 20 Bereitschaftspolizisten in die Menge. Zwei Personen wurden abgeführt, andere flüchteten in Richtung Bismarckallee. Kurz nach 2 Uhr schloss die Polizei alle Zuwege und forderte die Feiernden auf, Wiese und Vorplatz zu verlassen. Aufgrund der vorherigen Zersplitterung der feiernden Gruppen und der direkten Präsenz der Hundertschaft gelang dies ohne gewaltsamen Widerstand. Dass das Eingreifen der Polizei die Partynacht für die meisten aber wohl kaum beendet hat, ließ sich ihren Zurufen beim Verlassen des Geländes entnehmen: „Lass zum Hafen!“, „Im Südpark geht auch noch was!“ oder: „Egal wohin, Hauptsache weiterfeiern.“

Foto: Timo Gemmeke

So fällt die Bilanz der Polizei aus 

Die Polizei selbst sprach am Sonntag von einer „vorwiegend ruhigen, aber auch nicht komplett friedlichen Nacht.“ Als Reaktion auf die gewaltsamen Ausschreitungen am Freitag habe man sich auf eine „Null-Toleranz-Strategie“ verständigt, so Polizeisprecherin Vanessa Arlt. „Vereinzelt mussten die Beamten bei Körperverletzungsdelikten einschreiten“. Kollektive Angriffe auf Polizisten aus Gruppen heraus habe es – anders als in der Nacht davor – aber nicht gegeben. Neben dem Aufstocken der Einsatzkräfte vor Ort durch mehrere Hundertschaften, hätten vor allem Kontrollen im Vorfeld des Abends eine erneute Eskalation verhindert. „Wir haben verstärkt Fahrzeugkontrollen an den Stadteingängen und im Umland gemacht, um mögliche Randalierer direkt wieder nach Hause zu schicken.“ So seien mehrere Platzverweise für das gesamte Stadtgebiet ausgesprochen worden, besonders gegen „junge Männer aus dem Umland, die zum auffallenden Klientel am Aasee gepasst haben“. In einem der ortsfremden Wagen fanden Polizisten eine Schusswaffe, eine Eisenstange und einen Totschläger.

Andere Delikte im Stadtbereich – Lärmbelästigungen, Widerstand gegen Polizisten, eine beschädigte Bushaltestelle – seien nicht direkt auf das Vertreiben der Feiernden vom Aasee zurückzuführen, sondern „typische 3-Uhr-Nachts-am-Wochenende-Vorfälle“, so Arlt. Ein Treffen der Auto-Poser-Szene mit 450 Autos an der Loddenheide habe die Polizei frühzeitig unterbinden können. In der gesamten Nacht seien sechs Strafanzeigen gefertigt und 78 Platzverweise ausgesprochen worden. Polizeipräsident Falk Schnabel kündigte am Sonntag an, in den kommenden Wochen weiter Präsenz zu zeigen. „In enger Zusammenarbeit mit der Stadt zeigen wir bei Randaletouristen keine Toleranz. Wer nach Münster kommt, um sein Unwesen zu treiben, wird bereits im Anfangsstadium daran gehindert.“

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