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Scheidender Kämmerer Alfons Reinkemeier

Abschied vom Mann am Klavier

Münster

Überraschung bei der Verabschiedung von Alfons Reinkemeier: Der scheidende Kämmerer setzte sich in der Rüstkammer des Rathauses kurzerhand ans Klavier – und stimmte einen Gospel an.

Klaus Baumeister

Oberbürgermeister Markus Lewe (2.v.r) verabschiedete am Mittwoch den Stadtkämmerer Alfons Reinkemeier (l.), der von seiner Frau Annette und seinem Sohn Stefan begleitet wurde. Foto: Matthias Ahlke

Manche Wünsche dauern etwas länger, bis sie erfüllt werden. In der Rüstkammer des Rathauses steht ein Flügel, und wie der scheidende Stadtkämmerer Alfons Reinkemeier am Mittwoch bei seiner Verabschiedung erklärte, war es immer schon sein Wunsch, darauf zu spielen.

Da die Verabschiedung nun mal in der Rüstkammer stattfand, setzte sich Reinkemeier – zur Überraschung der vielen geladenen Gäste – kurzentschlossen an den Flügel und stimmte den Gospel „Nobody Knows the Trouble I‘ve Seen“ an. Auch sonst sorgte der Kämmerer nach 35 Jahren im Dienst der Stadt Münster für manche Überraschung. Dem Oberbürgermeister Markus Lewe bereitete er sogar eine richtige Schrecksekunde.

Als der Moment der Momente kam und der Oberbürgermeister dem Kämmerer das Entlassungspapier aushändigen sollte, da sagte Lewe: „Es fällt mir wahnsinnig schwer, Dir dieses Schreiben zu überreichen.“ Die prompte Antwort Reinkemeiers: „Dann behalt es doch.“ Es war die charmante Retourkutsche dafür, dass das schwarz-grüne Ratsbündnis mit Lewe an der Spitze den Reinkemeier-Arbeitsvertrag nicht verlängert hat, obwohl Reinkemeier noch gern bis zum Erreichen der Altersgrenze geblieben wäre. Doch man konnte dem ausscheidenden Spitzenbeamten anmerken, dass er sich mit der neuen Situation längst abgefunden hat. In seiner Abschiedsrede wies er deshalb auch darauf hin, dass man auf Aufgaben und Situationen, denen man nicht entgehen könne, am besten mit Leidenschaft reagiere. Zugleich verriet der studierte Betriebswirtschaftler, übrigens einst der erste städtische Bedienstete mit einem PC, seinen Gästen, dass er in 35 Jahren nur einmal auch formal eine Tätigkeit abgelehnt habe: Reinkemeier sollte das Controlling für das Stadtjubiläum 1993 übernehmen.

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