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Prozess wegen Steuerhinterziehung einer Reinigungsfirma

Angeklagter zeigt sich kooperativ

Münster

Ein Gesuch auf Facebook ließ die Behörden hellhörig werden. Und dieser erste Hinweis führte sie zu einem Fall der Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Nun steht einer der Gesellschafter einer münsterischen Reinigungsfirma in diesem Fall vor Gericht.

Von Julia Körtke

Foto: dpa

So sauber die Geschäfte einer Reinigungsfirma laufen, so unsauber wurden sie in diesem Fall hinter den Kulissen abgewickelt.

Nachdem die Firma auf ihrer Facebook-Seite auf Bulgarisch nach Mitarbeitern suchte und dort eine erstaunlich geringe Stundenzahl auswies, wurde das Zoll auf die Firma aufmerksam. Nach einigen Kontrollen der Mitarbeiter stellte sich schnell heraus, dass diese mehr Stunden arbeiteten, als in ihren Verträgen vermerkt waren.

Rest des Lohns in bar

Den Rest des Lohnes erhielten sie Reinigungskräfte mutmaßlich bar und damit unversteuert. Bei diesen Ermittlungen fanden die Beamten auch Zettel bei den meisten Angestellten, die den Verdacht immer weiter vertieften. Auf Bulgarisch war hier ein Leitfaden verfasst, wie mit Fragen des Zolls bei etwaigen Untersuchungen umgegangen werden soll.

Observationen angeordnet

Sofort ordnete die Staatsanwaltschaft Observationen an und die Überwachung der Telefongespräche.

Die Beweise wurden immer erdrückender. Im Prozess vor dem Landgericht zeigte sich jetzt der angeklagte 39-Jährige dementsprechend kooperativ. Er half der Steuerfahndung und dem Zoll, indem er die nötigen Informationen und Zahlen herausgab und räumte nun auch offiziell ein, Schwarzlöhne gezahlt zu haben.

Fraglich bleibt insoweit nur die genaue Summe der dadurch fehlenden Steuerabgaben. Die Staatsanwaltschaft geht hierbei von insgesamt über drei Millionen Euro, in Form von fehlenden Sozialversicherungsbeiträgen, Lohnsteuern und Einkommenssteuer, aus. Nach den Ausführungen des Angeklagten, welche das Gericht nun auch seiner Berechnung zugrunde legen will, dürften diese Zahlen etwas geringer ausfallen. Zur genauen Schadenshöhe wird am Mittwoch ein Zeuge der Rentenversicherung gehört.

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