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Protestaktion in Berg Fidel

Angst, die Heizung anzustellen

Münster

Rund 100 Bewohnerinnen und Bewohner haben am Samstag in Berg Fidel gegen die steigenden Energiepreise demonstriert. Für die nächste Zeit kündigten sie weitere Proteste an.

Von Helmut P. Etzkorn

Rund 100 Personen demonstrierten am Samstag in Berg Fidel unter anderem gegen die steigenden Energiepreise. Foto: hpe

Marek wird in zwei Monaten Rentner, dann ist er 66. „Endlich Ruhestand, aber es wird wohl keiner“, befürchtet er. In seiner kleinen Mietwohnung in Berg Fidel wartet er täglich auf einen Brief vom Eigentümer LEG. Seine Nachbarn haben die „Bescherung“ schon im Postkasten. „Nachzahlungen bis 1000 Euro und ab sofort 300 Euro mehr Nebenkosten sind keine Seltenheit. Da wird die Rente nicht reichen, ich muss wohl im Alter noch Flaschen sammeln gehen“, meint er.

Marek gehört zu knapp 100 Menschen, die sich am Samstagmittag vor dem Supermarkt im Zentrum des Stadtteils zu einer Protestkundgebung versammelt haben. Neben Marvin steht Gabi, 70 Jahre alt, seit 33 Jahren eine „echte Berg Fidelerin mit zwei kleinen Zimmern“. Sie engagiert sich im Bündnis „Berg Fidel solidarisch“ und hat Angst, wegen der höheren Nebenkosten „irgendwann einmal selbst diese Miniwohnung nicht mehr bezahlen zu können“, wie sie sagt. Rund 1000 Euro hat sie zur Verfügung, mehr als die Hälfte gehen schon jetzt für die Miete drauf. Im Supermarkt kauft sie günstig Nudeln und schaut bei den preiswerteren Produkten nach, was sie sich noch leisten könne. „Ich sehe dort Kinder, die ihre Mutter nach Süßigkeiten fragen. Und höre dann, wie die Mama zu ihnen sagt: ,Ich habe dafür kein Geld mehr.‘ Das macht mich traurig“, sagt Gabi. Die Angst vor möglicher Obdachlosigkeit sei allgegenwärtig, wenn sie sich im Kiez mit Freunden trifft, berichtet sie. Bei der Kundgebung tritt sie ans Mikrofon, fordert von der Politik „Taten statt guter Ratschläge“.

Lautstarke Proteste gegen hohe Preise

Bündnis-Sprecher Marvin geht auf Probleme mit der Wohnungsgesellschaft LEG ein und berichtet von kleinen Erfolgen. Reparaturen fänden schneller statt, Sprechstunden seien wieder eingeführt. Nun hätten aber viele Angst, im Winter überhaupt ihre Heizung anzumachen. Viele Unternehmen würden in und mit der Krise „satte Profite machen“, kritisiert Marvin. „Reiche werden so immer reicher, und wir Kleinen müssen zahlen“, lautet sein Fazit. Schon bald werde man wieder zum lautstarken Protest gegen hohe Preise aufrufen. „Nicht nur hier, sondern überall in Münster“, so die Botschaft.

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