1. www.wn.de
  2. >
  3. Münster
  4. >
  5. Anklage fordert hohe Haftstrafen

  6. >

Plädoyers im EncroChat-Prozess

Anklage fordert hohe Haftstrafen

Münster

Im Prozess gegen drei mutmaßliche Strippenzieher in einem münsterischen Drogenring hat die Anklage am Freitag hohe Haftstrafen gefordert. Die Verteidiger zeigten sich verwundert.

Von Julian Alexander Fischer

Foto: dpa (Symbolbild)

Hohe Haftstrafen hat der Staatsanwalt am Freitag im Prozess gegen drei mutmaßliche Strippenzieher eines münsterischen Drogenrings gefordert, die im Rahmen eines der sogenannten Encrochat-Verfahren vor dem Landgericht stehen. Die Anwälte der Angeklagten zeigten sich davon allerdings teilweise sehr überrumpelt, seien ihre Mandaten doch von Beginn an „kooperativ und geständig gewesen“.

„Ich bin entsetzt und habe überhaupt nicht damit gerechnet“, monierte der Anwalt eines Mitangeklagten. Zuvor hatte der Staatsanwalt Strafen zwischen sieben und zehn Jahren für die 33, 40 und 43 alten Angeklagten gefordert.

200 Kilo Marihuana

Die Berücksichtigung des gemeinsamen Handels mit 200 Kilogramm Marihuana sowie der Ankauf von größeren Mengen Kokain und Amphetaminöl durch einzelne Angeklagte sei Grundlage für diese Gesamtstrafe. So seien die angeklagten Münsteraner äußerst professionell vorgegangen, begründete der Staatsanwalt seine Forderung nach hohen Haftstrafen.

Dagegen wendete die Verteidigung ein, dass alle Angeklagten unabhängig voneinander ein umfangreiches Geständnis abgelegt hatten, in dem sie alle Taten zugaben und Hintermänner nannten.

Anwältin vermisst „Dankbarkeit“

„Ich vermisse hier die Dankbarkeit für den sehr schnellen Prozess. Wir hätten das Verfahren mit Anträgen auch sehr in die Länge ziehen können“, kritisierte die Anwältin des Hauptangeklagten Kamal C.

Dabei sei auch hervorzuheben, dass sich die Verteidigung zu keinem Zeitpunkt auf die rechtlich noch nicht geklärte Verwertbarkeit der Encrochat-Daten berufen habe. So hatten die französischen Behörden das scheinbar sichere Netzwerk im vergangenen Jahr entschlüsselt und zahlreiche Daten an die deutschen Behörden übergeben.

In vielen daraus resultierenden Verfahren würden die Angeklagten aber schweigen, führte die Anwältin aus, da die Hoffnung bestehe, dass die Beschaffung der Inhalte als rechtswidrig eingestuft werde. Daher forderten die Anwälte unabhängig voneinander Strafen unter sechs Jahren für ihre Mandanten.

Beim nächsten Prozesstermin vor dem Landgericht am 19. Oktober soll das Urteil verkündet werden.

Startseite