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Bachelor-Projekt von Münsteranerinnen

App „Liv“ soll pflegenden Angehörigen helfen

Münster

Die Pflege Angehöriger belastet viele Menschen immens. Erleichterung könnte ein App bringen, die zwei Studentinnen aus Münster entwickeln. Eine erste Studie zeigt: Die Nachfrage ist groß. 

wn

Camilla Scheplitz (l.) und Hannelore Braisch entwickelten eine App, um pflegende Angehörige zu unterstützen. Das Foto ist vor der Corona-Pandemie entstanden. Foto: FH Münster/Anne Holtkötter

Pflegende Angehörige müssen vor allem drei Herausforderungen bewältigen: Ihnen fehlt die Zeit für eigene Bedürfnisse, sie sind mit den Aufgaben im Pflegealltag sehr gefordert und ein Überblick über den Gesundheitszustand der zu pflegenden Person fehlt. Die App „Liv“ will das ändern und pflegenden Angehörigen helfen.

Entwickelt wurde sie von Hannelore Braisch und Camilla Scheplitz während ihres Designstudiums an der FH Münster. Dieses haben die beiden inzwischen beendet, neben ihren Berufen verfolgen sie das Projekt aber weiter. Jetzt haben Prof. Dr. Annett Horn und Dr. Eva Jansen vom Fachbereich Gesundheit eine Machbarkeitsstudie mit einem Prototyp durchgeführt. Die Resonanz der Betroffenen ist positiv, der Bedarf vorhanden, berichtet die FH Münster. Deshalb prüfen die Wissenschaftlerinnen nun Weiterentwicklungsmöglichkeiten und das Umsetzungspotenzial, damit die App programmiert werden kann.

Vier Hauptfunktionen

„Liv“ hat vier Hauptfunktionen: Mit dem Planer lassen sich alle wichtigen Aufgaben und Termine rund um den Pflegealltag einfach organisieren und mit anderen teilen. Der Bereich Pflege bietet eine Übersicht des Gesundheitszustandes der zu pflegenden Person. In der Rubrik Unterstützung haben Nutzer die Möglichkeit, die Pflege temporär an andere „Liv“-Mitglieder – zum Beispiel Angehörige – abzugeben. Und der Bereich Profil ergänzt die App mit Angaben zur Hauptpflegeperson.

In der Machbarkeitsstudie sind Horn und Jansen vor allem der Frage nachgegangen, welche dieser Funktionen sinnvoll sind und welche fehlen. „Grundsätzlich stieß ‚Liv‘ mit den einzelnen Rubriken auf große Zustimmung“, sagt Jansen. Die Befragten hätten jedoch zahlreiche Verbesserungsvorschläge zur Erweiterung der App gemacht. „Sie vermissen zum Beispiel die Spezifizierung der Aktivitäten, die im Planer aufgelistet werden, also etwa eine genaue Angabe, wie viel die zu pflegende Person getrunken hat.“ Genannt wurde außerdem das Notfallpaket, durch das alle überlebenswichtigen Angaben, darunter Impfpass, Blutwerte und -gruppe, abrufbar sind.

Nachfrage ermuntert zum Weitermachen

Wegen der Pandemie mussten alle Interviews per Videokonferenz stattfinden. „Deshalb haben Hannelore und Camilla den Klickdummy so umgebaut, dass ich ihn gut am Bildschirm zeigen und mit meinen Interviewpartnerinnen teilen konnte“, erklärt Jansen. Nach der immensen Nachfrage wolle das gesamte Team mit „Liv“ unbedingt weitermachen – das freut auch die beiden Absolventinnen.

„Das Konzept und die Gestaltung war Thema unserer Bachelorarbeit 2019. Dass unsere Idee jetzt vielleicht sogar tatsächlich umgesetzt wird, ist natürlich großartig“, so Scheplitz. Ziel sei es, eine digitale Plattform für pflegende Angehörige zu konzipieren und dabei auch „Liv“ einzubinden, erklärt Prof. Dr. Horn

Der Machbarkeitsstudie vorausgegangen war ein Ideenaufruf des Projekts „Münster.land.leben“: Gesucht wurden innovative Vorhaben im Münsterland. Das „Liv“-Team bewarb sich, bekam die Zusage und damit Fördermittel, so die FH.

Das hochschulweite Projekt „Münster.land.leben“ an der FH Münster mit mehr als 75 Partnern aus Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft hat die Stärkung von Gesundheit, Teilhabe und Wohlbefinden im ländlichen Raum zum Ziel. Es besteht aus mehreren Teilvorhaben und wird von der Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“ gefördert.

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