1. www.wn.de
  2. >
  3. Muenster
  4. >
  5. Auf den Weg gemacht

  6. >

Abiturient pilgert nach Spanien

Auf den Weg gemacht

Münster

Ein Abiturient aus Münster hat sich zu Fuß auf eine 2706 Kilometer lange Reise gemacht. Gesammelt hat er viele Erfahrungen - und gefunden hat er auch zu sich selbst.

wn

Clemens Schubert auf dem Jakobsweg: 2706 Kilometer hat der 19-Jährige zurückgelegt. Foto: privat

Am 21. Juni schnürte Clemens Schubert seine Wanderschuhe, schulterte seinen 17 Kilogramm schweren Rucksack und winkte seinen Eltern zum Abschied zu. „Ich bin dann mal weg“ hieß es für den damals 18-Jährigen, der nur einen Tag zuvor sein Abiturzeugnis an der Bischöflichen Friedensschule entgegengenommen hatte. Sein Ziel: Santiago de Compostela. Zu Fuß. Viereinhalb Monate später und 2706 Kilometer weiter erreichte der Münsteraner die spanische Pilgermetropole. Am 1. November kehrte Clemens Schubert nach Münster zurück. Mit unzähligen Erlebnissen und Begegnungen im Gepäck.

„Ein Freund aus meiner Fußballmannschaft hat letztes Jahr gesagt: Wenn er mit der Schule fertig ist, läuft er den Jakobsweg.“ Ein Satz, an den sich Clemens Schubert nur allzu gut erinnert – und der sich bei ihm festgesetzt hatte. Schubert schmiss seinen ursprünglichen Plan um, der ein Freiwilliges Soziales Jahr in Kanada vorsah.

Von Münster bis zur französischen Grenze

„Was mache ich hier bloß?“ Diese Frage stellte sich der frischgebackene Abiturient nur einmal – direkt am ersten Tag. „Ich bin 30 Kilometer gelaufen, viel zu viel für den Anfang“, blickt Schubert zurück. An das Gewicht seines Rucksacks, ausgestattet mit Zelt, Isomatte und Schlafsack, musste er sich auch erst gewöhnen. „Das ging aber relativ schnell, weil sich die Muskulatur schnell aufbaut.“

Über Dortmund, Köln, Bonn, Koblenz und Trier pilgerte der Münsteraner zur französischen Grenze. In Bonn besuchte Schubert seinen Bruder, nutzte die Gelegenheit für einen Pausentag, den er auf der weiteren Strecke wöchentlich einlegte. „Es bringt nichts, zum Beispiel an zwei Tagen weniger zu laufen. Körper und Seele tut es gut, in regelmäßigen Abständen mal einen Tag komplett zu ruhen“, spricht er aus Erfahrung.

Begegnungen, die er nie vergisst

Besonders in Frankreich zahlte sich sein Zelt aus, das er auf Campingplätzen – sofern diese während der Corona-Pandemie geöffnet waren – oder in freier Natur aufschlug. Immer wieder sprachen ihn Leute an, fragten, ob er bei ihnen übernachten oder eine warme Mahlzeit haben wolle. Begegnungen, die Clemens Schubert nie vergessen wird. „Einmal nahm mich ein älterer Franzose mit zu sich nach Hause. Er hatte mich vor einem geschlossenen Campingplatz angetroffen und mich eingeladen. Und weil er und seine Frau nur Französisch sprechen konnten, saßen wir abends alle drei am Tisch, sie mit ihrem Tablet, ich mit meinem Handy, und haben uns über die Spracheingabe eines Übersetzungsprogramms unterhalten“, erinnert er sich.

Kleine Gesten und Augenblicke

Immer wieder gab es Momente, durch die sich Clemens Schubert hindurchkämpfen musste. Dann seien es vor allem die kleinen Gesten und Augenblicke gewesen, die ihm Kraft gegeben hätten und ihn dankbar sein ließen, sagt er: „Das Haus, das ich endlich erblickt habe, nachdem ich mich in einem französischen Nationalpark verlaufen hatte, die Familie, bei der ich meinen Handyakku aufladen konnte, oder eine spanische Frau, die mir einen Kakao und zwei Muffins gebracht hat, als ich in meinem Schlafsack unter einem Kirchenvordach lag.“

Clemens Schubert hat sich auf den Weg gemacht, der für ihn eine Mischung aus spiritueller Erfahrung, Wanderlust und Abenteuer war. „Ich konnte wenig planen und habe darauf gehofft, dass sich vieles fügen wird.“

Startseite