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Schwere Gründungsphase der Boulderhalle

Auf Hängepartie folgt Happy End

Münster

Anna Repgen und Julia Rohde haben sich nicht hängen lassen: Mitten im dicksten Corona-Chaos setzten sie auf ihre neue „boulder factory“. Bei der Wirtschaftsförderung spricht man von einem der schwierigsten Gründervorhaben.

Julia Rohde (l.) und Anna Repgen haben einen hürdenreichen Weg bei der Gründung der „boulder factory“ hinter sich. Foto: Wirtschaftsförderung Münster

Damit es beim Bouldern spannend bleibt, bedarf es immer neuer Routen mit steigenden Anforderungen. „Das ungesicherte Klettern in bis zu 4,50 Metern Höhe an Felsblöcken oder künstlichen Formationen ist für den Kopf und Körper enorm herausfordernd“, betonen Anna Repgen (27) und Julia Rohde (28).

Die beiden leidenschaftlichen Kletterinnen haben jetzt eine der schwierigsten Passagen ihres Lebens durchgestanden: die Gründung der „boulder factory GbR Münster“ – unter anderem mit Unterstützung der Wirtschaftsförderung Münster (WFM).

1200 Quadratmeter großes Kletterzentrum

„Die Pandemie hat uns alles abverlangt: Finanziell, kräftemäßig und emotional. Dieses komplexe Vorhaben stand lange auf der Kippe. Wir haben es mit viel Kraft und Energie jedoch gestemmt bekommen“, blicken die Jungunternehmerinnen auf eine fast anderthalbjährige Hängepartie mit Happy End zurück.

Am 22. Mai starteten sie laut Pressemitteilung mit ihrem 1200 Quadratmeter großen Kletterzentrum an der Rudolf-Diesel-Straße. Seitdem leben sie ihren Traum als Jungunternehmerinnen und Arbeitgeberinnen von sieben Beschäftigten auf 450-Euro-Basis.

„Es ist beachtlich, was diese beiden jungen Frauen in den vergangenen zwei Jahren durchlebt und geschafft haben“, zollt die WFM-Gründungsberaterin Elisabeth Remmersmann dem Duo größten Respekt. Remmersmann begleitet das Projekt „boulder factory“ nunmehr seit circa zwei Jahren. Im September 2019 präsentierten Anna Repgen und Julia Rohde der WFM ihren Businessplan. Dann nahm das Vorhaben seinen turbulenten Verlauf. Remmersmann rückblickend: „Das war eines der schwierigsten Gründungsvorhaben, das ich jemals begleitet habe.“

Ein Jahr fast vergeblicher Miete

Los ging es für Anna Repgen und Julia Rohde mit der Suche einer entsprechenden Location, die zu einem Boulder-Zentrum umgebaut werden konnte. „Kaum hatten wir diese Halle gefunden, begann auch schon die Anmietung. Sonst hätte uns ein anderes Unternehmen dieses Objekt vor der Nase weggeschnappt.“ Das war schon Ende 2019. Dann kam die erste Corona-Welle im März 2020, die Zeit der großen Verunsicherung. Die Beantragung der Nutzungsänderung und der Umbau zogen sich bis in den Herbst hinein. Doch aus der Eröffnung wurde wieder nichts.

Die nächste Coronaschutz-Verordnung machte Anna Repgen und Julia Rohde im November 2020 erneut einen Strich durch die Rechnung und in der Not erfinderisch: Die ausgebildete Sporttherapeutin Repgen und die Physiotherapeutin Rohde boten in der „boulder factory“ eine individuelle Bewegungstherapie mit dem Schwerpunkt Bouldern an, um in der Zwischenzeit wenigsten die Fixkosten zu decken.

Immerhin: Der kulante Vermieter nahm in der Lockdown-Phase mit Mietstundungen den Druck aus dem Kessel. Am Ende stellten die beiden Gründerinnen unter Beweis, was mit Idealismus, Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit zu erreichen ist.

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