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Christlich-islamischer Frauenkreis

Aus Fremden wurden Freunde

Münster

Der Christlich-islamische Frauenkreis bekommt am Wochenende den „Dialogpreis für gute Taten“ verliehen. Die Initiative hat 16 aktive Mitglieder uns setzt sich für den Dialog zwischen den Religionen ein. Es sei wichtig, dass Unwissenheit nicht zu Ängsten führte, sagt Mitglied Annethres Schweder mit Blick auf „Pegida“.

Sandra Peter

Sie wollen einander verstehen und voneinander lernen, sagt Gründungsmitglied Annethres Schweder (2.v.l.):  Mitglieder des „Christlich-Islamischen Frauenkreises“ in der DITIB-Zentral-Moschee in Münster. . Foto: Karin Weglage/Kirche+Leben

„Wichtig ist, dass man voneinander weiß – dann hat man auch keine Angst“, sagt Annethres Schweder. „Ich jedenfalls fürchte mich nicht vor Muslimen.“ Schweder ist Gründungsmitglied des Christlich-islamischen Frauenkreises, der heute mit dem „Dialogpreis für gute Taten“ geehrt wird – als „ermutigendes Beispiel gelungenen Dialogs der Religionen und Konfessionen“, heißt es in der Begründung der Jury. Der Preis wird vom Bistum Münster und von „Kirche+Leben“ verliehen.

Das Thema könnte kaum aktueller sein als jetzt. Annethres Schweder denkt, dass hinter der Pegida-Bewegung vor allem Unwissenheit und die Angst vor dem Fremden stehen. „Und dem begegnet man, indem man es verteufelt. Wir sind einen anderen Weg gegangen, wir haben das Gespräch gesucht, uns informiert.“

Frauenkreis

Der Christlich-islamische Frauenkreis wurde vor 16 Jahren gegründet und entstand aus dem Christlich-islamischen Arbeitskreis heraus, der bereits zwei Jahre länger besteht. 16 Frauen im Alter zwischen 20 und 81 Jahren gehören zum aktiven Kern des Frauenkreises. Die Hälfte von ihnen ist christlichen Glaubens, die andere Hälfte gehört dem Islam an. Unter den Mitgliedern sind katholische und evangelische Frauen, Sunnitinnen und Schiitinnen. Alle sechs Wochen treffen sie sich im Dietrich-Bonhoeffer-Haus oder in der DITIB-Moschee. Sie haben auch bereits einen Hindu-Tempel und eine Synagoge besucht und laden zu Veranstaltungen ein, etwa zum Thema Fastenbräuche.

Vor etwas mehr als 16 Jahren wusste die Gremmendorferin selbst nur wenig über den Islam. Das änderte sich, als Schweder ihr Engagement für die Ökumene ausweitete und begann, sich für den Dialog mit anderen Religionen einzusetzen. Sie las den Koran, lernte Muslime kennen. Der Christlich-islamische Arbeitskreis entstand 1996, und aus ihm zwei Jahre darauf der Christlich-islamische Frauenkreis. „Die christlichen Frauen haben die Ehefrauen der muslimischen Männer, die sonst nicht dabei waren, eingeladen. Mit einem Kaffeetrinken ging es los“, erinnert sich Annethres Schweder. Heute sind die 16 aktiven Mitglieder alle gestandene Frauen, die mitten im Leben und fast alle auch im Beruf stehen, egal ob christlich oder muslimisch. Sie entdecken Gemeinsamkeiten, und diskutieren über Unterschiede – etwa das Kopftuchtragen – auch durchaus kontrovers. Nicht immer kommen die Frauen unterschiedlicher Religion auf einen Nenner. „Aber wir achten darauf, uns dabei nicht zu verletzten“, sagt Schweder.

Weh tut es den muslimischen Frauen, wenn sie öffentlich ausgegrenzt, manchmal gar beschimpft werden. Im Frauenkreis ist Raum, Frust loszuwerden, sich aufzubauen. „Das gab es nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Wenn damals eine Frau mit Kopftuch in den Bus einstieg, musste sie sich beschimpfen lassen, ob sie darunter nicht eine Bombe verstecke“, erinnert sich Annethres Schweder. Sie sieht die Gefahr, dass die Zeiten wiederkehren. Einer in dieser Woche vorgestellten Studie zufolge steht die Mehrheit der deutschen Bevölkerung den Muslimen ablehnend gegenüber. Die Antwort des Frauenkreises lautet: noch mehr Dialog.

Als Annethres Schweders Enkelkinder getauft wurden, waren muslimische Familien mit in der Kirche – und ein muslimisches Kind durfte bei der Taufe assistieren.

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