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Puppenkünstlerin stellt im Hiltruper Museum aus

Ausdrucksstarke Persönlichkeiten aus Porzellan

Münster-Hiltrup

Sie ist eine außergewöhnliche Puppenkünstlerin. Seit mehr als drei Jahrzehnten zaubert Gisela Scheper filigrane Porzellangesichter und Puppenausstattung. Ihr künstlerisches Gesamtwerk ist nun in einer Ausstellung im Hiltruper Museum zu sehen.

Von Helga Kretschmar

Mit einer außergewöhnlichen Puppenausstellung im Hiltruper Museum fasziniert die Künstlerin Gisela Scheper. Rechts ihre Tochter Sabine Schmidt. Foto: Helga Kretzschmar

Da staunten die zahlreichen Besucher des Hiltruper Museums nicht schlecht. Selten haben sie in so ausdrucksvolle und filigran gestaltete Puppengesichter gesehen. Gisela Scheper hat es während der Vernissage „33 Jahre figürliches Gestalten“ verstanden, die Kunstinteressierten zu fesseln. Mit einer Kunst, die sie in den letzten drei Jahrzehnten geschaffen hat – ein mühevolles, individuelles und detailverliebtes Arbeiten. „Gesichter und Mimik bilden immer eine Einheit“, gibt die Künstlerin dem zarten Porzellan eine ihm eigene Empfindlichkeit.

Es ist ein langer Prozess, bis eine fertige Puppe entsteht. Aus einem Klumpen entstehen mehrere Formen, die später bei 1200 Grad gebrannt, dann in weiteren Arbeitsschritten gefärbt und wieder gebrannt werden. So entstehen dem Realismus und Naturalismus entlehnte individuelle Puppen. Hier fasziniert der unschuldige Blick der Kleinkinder, die weder Vergangenheit noch Zukunft kennen und im Hier und Jetzt leben.

Baletttänzer aus Schwanensee

Eindrucksvoll war die Fotoschau, die Enkel Timo Schmidt an die Projektionsfläche warf und einen Überblick über Gisela Schepers langes Schaffen gab. Kleinkinder in Windeln, die sich staunend betrachten, Menschen in Bewegung, die übrigens am Deckenbalken des Hiltruper Museums auf die Besucher schauten. Balletttänzer, die nach Schwanensee tanzten. Körperkunst halt. Ein Thema, das ihr besonders am Herzen liegt.

Gisela Scheper kann aus dem vollen Schöpfen. An Ideen, die sie umsetzen kann, mangelt es nicht. Körperteile, auch dieses Thema fasziniert sie. Köpfe, Beine, Plombenzieher und nochmals Köpfe. Köpfe, aus denen die Ideen sprudeln, aus denen Zahnräder, Zeiger und Spiralen geradezu heraussprießen. Wie ein unaufhörlich ratterndes Uhrwerk. Ihr hintergründiger Humor lässt aufhorchen, und das ist es, das die Ausstellung so einzigartig macht. „Es ist das Ausleben meiner Fantasie“, sieht die Autodidaktin ihr Schaffen auch als Therapie bei kleinen Schicksalsschlägen, bei denen sie durch ihr Tun Freude empfindet.

Es ist ein wieder entdecktes Handwerk, dessen Taktgeber unter anderem Käthe Kruse war. Hier wurde die Puppe neu definiert, weg vom Kinderspielzeug und hin zum individuellen Sammlerstück. Die Kunst des Puppenmachens inklusive der Herstellung von Kleidern und Schuhen erlernte auch ihre Tochter Sabine Schmidt bei der kreativen Mutter. „Sie war eine perfekte Ausbilderin“, so ihre Laudatio. „Eine intensive Zeit“.

Gut kam die Aufführung der Nachbarskinder an, die in nur zweistündiger Vorbereitungszeit kurz die Puppen tanzen ließen.

Zur weltbesten Puppenkünstlerin gekürt

Gisela Schepers Dank ging auch an Mechthild Schmidt, die ihr 30 Jahre lang zur Seite gestanden, Kisten geschleppt hat und Tausende Kilometer gefahren ist. Zu internationalen Ausstellungen, in denen die Hiltruperin viele Pokale davon getragen hat. „Sie wurde zur weltbesten Puppenkünstlerin gekürt“, so Museumsleiter Hans Muschinski zu ihrer zweiten Ausstellung seit 1999. Diese geht nun bis zum Januar 2022.

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