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Drei Pianisten im Theater

Bartók-Toccata im Blue-Note-Hagel

Münster

Vergesst die „Drei Tenöre“ – hier kommen die Drei Pianisten! Die zeigten am Freitag kein hohes C, sondern hohe Klavierkunst im Großen Haus. Zwei Flügel und ein E-Piano füllten die Bühne; „264 Tasten“, hatte der musikalische „Hausherr“ Golo Berg nachgezählt, der das virtuose Trio im Rahmen des Münsterland-Festivals begrüßte, gemeinsam mit Festivalleiterin Christine Sörries.

Arndt Zinkant

Isfar Sarabski, Leszek Możdżer und Iiro Rantala

Der Dank der Klavierfans fiel rauschend und stehend aus. Und die jungen Meister, die soeben ein flirrendes Jazz-Feuerwerk bis unter die Decke geschossen hatten, lächelten dazu: Iiro Rantala aus Finnland, Isfar Sarabski aus Aserbaidschan und Leszek Możdżer, der polnische Tastenstar. Dabei hatten sie nicht das ganze Konzert gemeinsam gespielt, sondern zeigten zunächst ihre jeweils eigene solistische Klasse. Danach in wechselnder Duo-Besetzung – am Ende erwartbar an sämtlichen 264 Tasten, um schließlich spaßig mit sechs Händen an einem einzigen Flügel zu spielen. Auch der Entertainment-Faktor stimmte!

Iiro Rantala legte vor. Mit den Turnschuhen auftippend, wirbelte der Finne bekannte Melodien übers Elfenbein. „Die Candide-Ouvertüre von Leonard Bernstein“, klärte Rantala am Ende auf Englisch auf – nachdem er das Orchester nicht nur ins Klavier verlegt, sondern auch mit etlichen Blues-Gewittern eingedeckt hatte. Aber „in sensibler Weise“ könne er auch spielen, lächelte der Finne, der nicht nur als der Schelm des Trios gelten darf, sondern auch dem finnischen November eine Jazz-Ballade spielte, die süffig ins Ohr ging. Überhaupt waren die meisten Sets sehr eingängig; im Duospiel mit Isfar Sarabski, dem Newcomer aus Baku, gefiel besonders das innige Swingen, irgendwo zwischen lässigem Bar-Jazz und äußerster Raffinesse.

Leszek Możdżer (der barfüßig spielte) setzte noch eins drauf. Stets bedacht, dem Steinway neue Klänge zu entlocken, legte er allerlei auf die Saiten, ein Stofftuch oder ein paar Schellen. Verblüffend, wie leicht man einen Konzertflügel wie eine Koto (die japanische Zither) klingen lassen kann. Als sich Możdżer mit Sarabski zusammentat, wurde es wild: War das noch Jazz? Man meinte, eine entfesselte Bartók-Toccata im Blue-Note-Hagel zu hören.

Das E-Piano von Fender Rhodes war in seiner altmodischen Würze nicht zu unterschätzen. Bei den Zugaben gab es dann Bekanntes zu hören: „Summertime“ natürlich und auch John Lennons „Imagine“ – und das verzückte „Hu-huuu!“ darin überließen die Schelme dem Theatersaal.

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