1. www.wn.de
  2. >
  3. Münster
  4. >
  5. Bei der Hymne fließen Tränen

  6. >

Friedensdemo am Prinzipalmarkt

Bei der Hymne fließen Tränen

Münster

Seit über einem Monat herrscht Krieg in der Ukraine. Geflüchtete, die es nach Münster geschafft haben, und Ukrainer, die schon länger in Westfalen leben, haben am Samstag auf dem Prinzipalmarkt für Frieden demonstriert. Protokoll einer bewegenden Kundgebung.

Von Pjer Biederstädt

Die Friedensdemonstranten bedankten sich – wie hier mittels Plakat – für die Gastfreundschaft der Münsteraner. Foto: Pjer Biederstädt

Als Sergej Smotrizki am Prinzipalmarkt die ukrainische Nationalhymne anstimmt, rollen Dutzenden Friedensdemonstranten die Tränen übers Gesicht. Die Gedanken an die Heimat erfülle viele mit Trauer, Wut und Heimweh, erzählt Mitorganisator Smotrizki am Rande der Friedensdemo.

Rund hundert Teilnehmer sind am Samstagnachmittag laut Polizei gekommen, um für Frieden und gegen den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine zu protestieren. Die meisten von ihnen sind Geflüchtete. Kiew, Donezk, Luhansk – als eine Demo-Organisatorin Städtenamen aufruft, brandet Jubel der jeweiligen Einwohner auf.

Rund hundert Teilnehmer haben am Samstag (26.3.2022) am Prinzipalmarkt für Frieden in der Ukraine demonstriert. Foto: Pjer Biederstädt

Neben dem Gemeinschaftsgefühl geht es bei der Versammlung auch um organisatorische Belange. Die Vertreterin einer Kirchengemeinde informiert über Angebote, Geflüchtete tauschen Informationen aus.

Wen man während der Demo auch fragt, alle betonen, wie gut sie in Münster aufgenommen worden seien. Ein Junge mit Epilepsie habe beispielsweise bei seiner Ankunft keine Medikamente mehr gehabt, sofort habe er beim Arzt und im Krankenhaus Hilfe bekommen, erzählt Smotrizki, der den Jungen begleitete. Er höre von vielen Geflüchteten, dass sie etwas zurückgeben und sich nützlich machen wollen, etwa bei der Erdbeerernte.

Viele Demonstranten hatten Schilder, Plakate oder Fahnen mitgebracht, um ihre Botschaft zu unterstreichen. Foto: Pjer Biederstädt

Smotrizki kommt gebürtig aus Kiew, lebt seit 23 Jahren in Münster, ist Heilpädagoge und hat extra Urlaub genommen, um zu helfen – meist mit Übersetzungen, Behördengängen und Arztbesuchen. Als er erzählt, dass drei seiner Neffen im Krieg seien, kommen auch ihm die Tränen. Er hofft, dass sie seine Heimat verteidigen, „denn wir wollen nicht wieder 300 Jahre auf Knien vor Russland sein“.

Startseite
ANZEIGE