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Münsteranerin investiert 25000 Euro

Berater verkauft Geldanlage mit 20 Jahren Laufzeit an todkranke Frau

Münster

Obwohl sie 20 Jahre keinen Zugriff auf ihr Geld haben sollte, beteiligte sich eine schwer kranke 77-Jährige 2006 mit 25 000 Euro an einem Fonds. Ihr Geld sah sie nie wieder, sie verstarb vor zwei Jahren. Die Verbraucherzentrale kritisiert einen solchen Verkauf riskanter Finanzprodukte, die Sparkasse weist Kritik zurück.

Martin Kalitschke

Dass auch ältere Menschen Produkte mit längeren Laufzeiten wünschen, sei „nicht unüblich“, heißt es bei der Sparkasse. Foto: dpa

Stefanie S. ist 77 Jahre alt und schwer krebskrank, als ihr ein Anlageberater der Sparkasse Münsterland Ost eine angeblich besonders attraktive Anlage anbietet. 25 000 Euro investiert die Münsteranerin in den geschlossenen Lebensversicherungsfonds „WestLB Trust 2“ – dabei darf sie erst 20 Jahre später an ihr Geld.

Ende 2006 unterschreibt die alte Dame die Beitrittserklärung zu dem Fonds. Ihr Geld sieht sie nicht wieder: Die Anlage läuft bis 2026, Stefanie S. starb bereits 2012.

„Vertrauen in eine kundenorientierte Beratung schamlos ausgenutzt“

Dr. Wolfgang Siolek, Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht Celle und nach eigenen Angaben Alleinerbe seiner Cousine, übt scharfe Kritik an der Sparkasse: Sie habe mit dem Verkauf einer 20-jährigen Anlagebeteiligung an eine bereits 2006 schwer kranke 77-Jährige „das naive Vertrauen in eine kundenorientierte Beratung schamlos ausgenutzt“.

Das weist die Sparkasse zurück: Dem Unternehmen sei es „wichtig“, Kunden nicht aufgrund ihres Alters von bestimmten Produkten auszuschließen. Dass auch ältere Menschen Produkte mit längeren Laufzeiten wünschen, sei „nicht unüblich“, so eine Sprecherin. Im Übrigen würden Kunden auf „Chancen, Risiken und Laufzeiten“ hingewiesen. „So kann es durchaus sinnvoll sein, auch im höheren Alter Produkte mit längerer Laufzeit auszuwählen, um die Renditen der Anlagen für den Anleger zu optimieren“, betont sie weiter.

1250 Euro Provision gezahlt

Moralisch, sagt Markus Feck, Bankjurist bei der Verbraucherzentrale NRW, halte er den Verkauf so komplexer Finanzprodukte an ältere Menschen für „nicht vertretbar“: „Gerade im hohen Alter sollten Berater darauf achten, dass das Geld, das da ist, geschützt wird.“ Aber warum bieten dann Kreditinstitute Produkte wie den WestLB Trust 2 an? „Weil an die Banken ohne Ende Provisionen fließen“, sagt Feck. So musste Stefanie S. 2006 einen Aufschlag von 1250 Euro für die 20-jährige Anlage an die Sparkasse zahlen.

Der WestLB-Trust, in den sie damals investierte, kauft Menschen ihre Lebensversicherungen ab. Danach zahlt er die Versicherungsbeiträge weiter – und erhält die Versicherungssumme, wenn der Versicherungsnehmer stirbt. Je früher das der Fall ist, umso mehr Gewinn macht der Trust – da er entsprechend geringere Versicherungsbeiträge zahlen muss.

Ein riskantes Geschäft mit hohen Risiken, warnt Markus Feck: „An solchen Anlagen verdienen alle – nur nicht die Anleger.“ Wolfgang Siolek wird erst 2026 erfahren, was aus den 25 000 Euro seiner Cousine geworden ist. Die letzten Nachrichten über den WestLB-Trust sind wenig erfreulich. Die erhoffte Rendite sei „ausgeblieben“, berichten Branchendienste.

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