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Amokfahrt am Kiepenkerl

Bericht von NRW-Innenminister Reul: Jens R. hortete Stoff für Sprengsätze

Münster/Düsseldorf

Bei ihren Ermittlungen nach der Amokfahrt von Jens R. in Münsters Kiepenkerlviertel hat die Polizei in allen vier Wohnungen des Täters befürchtet, auf Sprengfallen zu stoßen. Sowohl in Münster als auch in Dresden und Pirna mussten Spezialkräfte und Sprengstoffexperten die Türen öffnen. 

Hilmar Riemenschneider

Im Tatfahrzeug fand die Polizei neben einer Pistole auch Chemikalien, berichtet NRW-Innenminister Herbert Reul. Foto: dpa

Zunächst nicht klar identifizierbare Kabel im Campingbus, mit dem der 48-jährige Möbeldesigner am 7. April auf den Platz vor zwei Traditionsrestaurants gerast war und so zwei Menschen getötet sowie 25 schwer verletzt hatte, machten die Polizei vorsichtig. Nicht zu Unrecht, wie sich aus einem am Dienstag veröffentlichten Bericht von Innenminister Herbert Reul (CDU) für den Innenausschuss des Landtags ergibt. Der befasst sich am Donnerstag mit der Amokfahrt.

Möglicherweise hatte Jens R., der sich nach der Tat mit seiner Pistole selbst richtete, noch Schlimmeres vor. Im Fahrzeug fanden die Ermittler neben einer Schachtel Patronen und einer Schreckschusswaffe auch ein Aluminiumrohr, „welches pyrotechnisch zündfähig umgebaut war“, heißt es in Reuls Bericht. Dazu entdeckten sie zwei Liter Buttersäure sowie je einen Liter Natronlauge und Chloroform. In der Rückbank steckten zudem drei Projektile, deren Herkunft noch unklar ist.

Material zum Bau von Sprengsätzen

Auch in den Wohnungen hatte Jens R. „Polenböller, Buttersäure sowie unter anderem Gasflaschen, Benzinbehälter und Zündschnüre gehortet, die nach Einschätzung der Polizei zum Bau von Sprengsätzen geeignet gewesen wären. Die Ermittler konzentrieren sich jetzt auf die Herkunft der Funde. Mobiltelefone, Computer und andere Quellen sollen ein Bewegungsprofil des Täters liefern.

Reul hebt erneut „das disziplinierte und besonnene Verhalten der Münsteraner“ hervor. Entscheidend dafür waren wohl auch die warnenden Tweets der Polizei, die in den ersten 24 Stunden 15,1 Millionen mal gelesen, geteilt und kommentiert wurden.

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