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Die Geschichte der britischen Soldaten in Münster

Besatzer wurden zu Freunden

Münster

Am Donnerstag (4. Juli) werden die britischen Soldaten nach fast 70 Jahren offiziell aus Münster verabschiedet. Oberbürgermeister Lewe und Prinz Andrew nehmen am Mittag eine Parade auf dem Prinzipalmarkt ab. 700 britische Soldaten und Familienmitglieder werden danach nach Zypern gehen. Wir blicken auf die Geschichte der Briten in Münster zurück.

Martin Kalitschke

  Foto: Oliver Werner

Die Zeiten, in denen in Münster eine komplette Brigade mit mehr als 5000 Soldaten stationiert war, sind lange vorbei. Aktuell befinden sich in der Gievenbecker Oxford-Kaserne nur noch 700 Soldaten, und auch die werden nach der heutigen Verabschiedung Münster schon bald verlassen – in Richtung Zypern. Zurück bleibt eine Handvoll Soldaten, die die Übergabe der Kaserne an den Bund vorbereiten wird, die für November geplant ist.

Damit geht ein Kapitel der Stadtgeschichte zu Ende, das am 2. April 1945 begonnen hatte. Damals rückte die 6. Panzerbrigade in Münster ein, Besatzungstruppen und Verwaltungsoffiziere folgten. Am 8. April 1945 nahm Stadtkommandant Major H. F. Jackson seine Arbeit auf.

Nachdem die Militärregierung NS-Oberbürgermeister Albert Hillebrand verhaftet hatte, beschlagnahmte sie Verwaltungsgebäude und Wohnhäuser, vorrangig von NSDAP-Funktionären, um ihre Arbeit aufnehmen zu können. Der Stadtkommandant bezog Räume im ehemaligen Oberfinanzpräsidium am Hohenzollernring. Hauptsitz der Militärregierung wurde das Gebäude des Generalkommandos am Schlossplatz.

In Teile des 1937 gebauten Wehrmachts-Lazaretts an der Von-Esmarch-Straße 51 zog das britische Militärhospital ein, es blieb hier bis 1991. Danach übernahmen die Briten auch etliche militärische Liegenschaften (siehe Karte).

Von den nach dem Krieg noch intakten Wohnungen beschlagnahmten die Briten fast jede zweite. Der Wohnraum wurde vor allem für die Familien der Offiziere benötigt. Das sorgte durchaus für Konflikte. 1958 erfolgte die Freigabe aller beschlagnahmten deutschen Häuser und Wohnungen.

Nach der ersten Kommunalwahl im Oktober 1946 verringerte die Militärregierung ihre Einflussnahme auf die Stadtverwaltung merklich und reduzierte ihre Rolle auf die einer Aufsichtsbehörde. Die zivile Kontrolle der Briten wich mit den Jahren einer rein militärischen Präsenz ihrer Truppen.

Anfang der 1950er Jahre begannen die Vorbereitungen für eine längerfristige Stationierung ausländischer Streitkräfte im Stadtgebiet Münsters, vorhandene Kasernen wurden ausgebaut und neue – zum Beispiel in Coerde – errichtet. Ab 1955 war in Münster die Garnison der Britischen Rheinarmee mit rund 5000 Soldaten stationiert, mit den Angehörigen lebten rund 10 000 Briten in der Stadt – mit eigenen Schulen und Geschäften. Die Kontakte zwischen Briten und Deutschen wurden zugleich enger und freundschaftlicher. Deutsche fanden bei den Briten Arbeit als Zivilbeschäftigte, binationale Ehen wurden geschlossen.

Ende 1990 zogen zwei Drittel der in Münster stationierten Briten in die Golfregion ab. Ab 1992 wurde die Truppenstärke allmählich dezimiert, Regimenter wurden nach Großbritannien zurückverlegt. 1993 waren nur noch 2000 britische Soldaten in Münster stationiert. Bis 1996 wurden acht Kasernen freigegeben, der Brigadegeneral zog nach Osnabrück.

Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts und dem Aufkommen neuer Krisenherde im Nahen und Mittleren Osten hatte Deutschland – und damit auch Münster – seine strategische Rolle für die britische Armee verloren. Am Ende waren es dann aber vor allem die Kosten, die die britische Regierung im neuen Jahrtausend dazu veranlassten, den Standort Deutschland aufzugeben. 2020 soll der letzte Soldat das Land verlassen haben.

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