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Verfahren wegen mehrfacher versuchter Brandstiftung

Beschuldigter ist schon lange krank

Münster

Seine Taten – mehrfach versuchte Brandstiftung – hat ein 46-jähriger Wohnungsloser bereits eingeräumt. Doch beim zweiten Verhandlungstag stellte eine Gutachterin schnell klar, dass der Beschuldigte aus wahnhaften Überzeugungen gehandelt habe.

Von Simon Beckmann

Am zweiten Verhandlungstag machte eine Gutachterin schnell deutlich, dass der Beschuldigte, der unter anderem wegen mehrfach versuchter Brandstiftung vor Gericht steht, schon lange psychisch krank ist. Foto: Friso Gentsch

Bereits beim Verfahrensauftakt hatte er seine Taten – unter anderem versuchte Brandstiftung in einer Sparkasse an der Melchersstraße und in einem Wohnhaus in Angelmodde – zum größten Teil eingeräumt. Doch bei der zweiten Verhandlung des Sicherungsverfahrens im Landgericht wurde schnell klar, dass der 46-jährige Wohnungslose bei seinen Taten offenbar nicht klar bei Verstand gewesen ist.

Das erklärte zumindest die psychiatrische Gutachterin, die ausführlich die umfangreiche Krankheitsgeschichte des Beschuldigten offenlegte. Habe dieser erst „nur“ an depressive Symptomen gelitten, sei seine Krankheit, eine paranoide Schizophrenie, im Laufe der Jahre immer deutlicher an die Oberfläche getreten.

Dabei sprach die Gutachterin etwa von wahnhaften und paranoiden Vorstellungen, dem jahrelangen Erleben von Verfolgung sowie impulsiven Wutausbrüchen. Auch mehrere Suizidversuche und schwere, selbst zugefügte Schnittverletzungen hätten dazu gehört.

135 stationäre Aufenthalte

Zudem ging sie auf die 135 stationären Aufenthalte in psychiatrischen Einrichtungen ein, die der Beschuldigte hinter sich gebracht habe. Dabei habe er mal mehr, mal weniger seine Medikamente genommen, aber nie auf sein Cannabis verzichten wollen. Das habe er bereits ab dem Alter von 14 Jahren regelmäßig konsumiert – täglich zwei bis drei Gramm. „Damit hat er versucht, seine Symptome zu kompensieren“, vermutete die Gutachterin. Zumindest sei nicht das Cannabis, sondern die Psychose die Ursache seines Handelns gewesen.

Sie machte ebenso deutlich, dass die vergangenen zwei Jahrzehnte bei dem Beschuldigten „irreparable Schäden“ hinterlassen hätten und er nun eine längere Zeit der Stabilisierung benötige. „Auf Dauer wird es ohne eine geschützte Einrichtung nicht gehen“, sagte die Gutachterin. „Ich sehe für ihn aktuell keine Chance zur Rückkehr in Freiheit.“

„Besorgniserregende Entwicklung“ des Beschuldigten

Zuvor bestätigten die sechs geladenen Zeugen die vier angeklagten Taten des gebürtigen Ibbenbüreners. Auch dabei wurde noch einmal deutlich, dass die Erkrankung dem Beschuldigten immer mehr zu schaffen gemacht habe. Die Entwicklung des Beschuldigten sei besorgniserregend gewesen, erklärte etwa sein langjähriger Betreuer: „Er war ein freundlicher Mann, doch seine Krisen und Impulsausbrüche haben ihn unberechenbar gemacht.“

Am Dienstag wird die Verhandlung fortgesetzt.

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