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Verbraucherzentrale legt Bericht für 2020 vor

Besonderes Jahr, besondere Probleme

Münster

Wie für so viele Menschen war auch für die Beratungskräfte der Verbraucherzentrale in Münster 2020 ein spezielles Jahr. In einigen Bereichen seien Rechte von Verbrauchern verletzt worden – oder würden es noch immer. Zwei Bereiche seien im vergangenen Jahr besonders häufig thematisiert worden.

Von Björn Meyerund

Mechthild Schneider (r.), Leiterin der Beratungsstelle, und Simone Weinke (Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberaterin) blicken für die Verbraucherzentrale auf ein spezielles Jahr 2020 zurück. Foto: Björn Meyer

Die Verbraucherzentrale NRW hat ihren Jahresbericht 2020 vorgelegt. Die Leiterin der Beratungsstelle Münster, Mechthild Schneider, spricht in diesem Zusammenhang von einem „spannenden, anstrengenden und besonderen Jahr“. Auch weil es für Münster Entwicklungen gegeben habe, die man hier so bislang nicht gekannt habe.

So seien im Frühjahr 2020 Studenten in der Verbraucherzentrale aufgeschlagen, die einen oder mehrere Nebenjobs verloren und nicht mehr gewusst hätten, wie sie über die Runden kommen sollten. Auch hätten die Beschwerden über Handwerkerrechnungen zugenommen – vermutlich, so Schneider, weil viele Menschen weniger gereist wären und ihr Geld in die heimischen vier Wände investiert hätten.

Reisen, Fitnessstudios und das liebe Geld

Das Thema Reisen sei gleichwohl einer der großen Schwerpunkte für die Verbraucherzentrale gewesen. Viele Bucher von Pauschalreisen hätten bei Stornierungen durch den Veranstalter monatelang auf ihr Geld warten müssen. Dabei sei die gesetzliche Lage eindeutig: Nach zwei Wochen, so Schneider, müsste das bereits gezahlte Geld dem Kunden rückerstattet werden.

Ein zweiter großer Bereich waren Kunden von Fitnessstudios. Grundsätzlich gelte dabei, dass wer keine Leistung erhalte, also etwa bei geschlossenen Studios, auch nicht zahlen müsse. Tatsächlich gebe es aber für die von vielen Fitnessstudios als Ersatzleistung erdachten einseitig veranschlagten Laufzeitverlängerungen eine derzeit divergierende Rechtsprechung.

Seitens der Verbraucherzentrale sei man allerdings eindeutig der Meinung, dass eine einseitige Verlängerung – die Studiobetreiber addieren dabei die Monate des Lockdowns an den bestehenden Vertrag – nicht rechtens sei. Ein Urteil des Amtsgerichts Papenburg bestätige diese Sicht, eine höchstrichterliche Entscheidung gebe es aber noch nicht, so Schneider.

Einkommenseinbrüche erfassen neue Haushalte

Ungewöhnliche Entwicklungen haben es zuletzt auch in der Schuldnerberatung gegeben, wie die zuständige Beraterin Simone Weinke am Dienstag ausführte. Es seien merklich auch private Haushalte betroffen gewesen, die bislang noch nie Probleme mit Verschuldung gehabt hätten. Ursache sei eindeutig der Einbruch des Einkommens durch die Pandemie.

Häufig sei 2020 auch die Frage aufgekommen, wie mit Coronaprämien bei Schuldnern zu verfahren sei. Mittlerweile sei klar, dass diese voll an den Arbeitnehmer ausgezahlt werden könne, egal ob bei diesem gepfändet werde. Weinke warnte in diesem Zusammenhang vor den Kreditangeboten ohne Schufa-Auskunft, von denen es im Internet zahlreiche gebe. Immer sei es dort so, dass die Leistungen nicht den Kosten entsprächen. Teilweise würden Verbraucher derart in die Irre geführt, dass auch ganz ohne Kreditleistung weitere Kosten für sie anfielen.

Derzeit berät die Verbraucherzentrale nur telefonisch oder digital. In der kommenden Woche entscheide sich wohl, wann und wie man wieder das Ladenlokal an der Aegidiistraße öffne, so Schneider.

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