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Missbrauchsprozess

Beteiligte müssen Gutachten selbst lesen

Münster

Viel zu lesen hatten die Prozessbeteiligten am 18. Verhandlungstag im Missbrauchsprozess gegen Adrian V. 89 Seiten umfasste das Gutachten aus dem früheren Verfahren.

Dirk Anger

Missbrauchsprozess gegen Adrian V. vor dem Landgericht Münster Foto: Dirk Anger

Der Mammutprozess im Missbrauchskomplex Münster gegen Adrian V., dessen Mutter sowie drei weitere Angeklagte zieht sich. Eine psychiatrische Sachverständige sollte am 18. Verhandlungstag als Zeugin vor der 1. Strafkammer des Landgerichts aussagen.

Sie hatte den Hauptbeschuldigten Adrian V., dem mehrfacher schwerer sexueller Kindesmissbrauch vorgeworfen wird, bereits in einem früheren Verfahren im Sommer 2015 begutachtet. Damals musste sich der 27-Jährige aus Münster wegen Besitzes und Verbreitung von Kinderpornografie vor Gericht verantworten.

Schwurgerichtssaal als Lesesaal

Nach fünfminütiger Beratung mit seinen Anwälten ließ Adrian V. am Donnerstag aber mitteilen, dass er die Sachverständige nicht von ihrer Schweigepflicht entbinden werde. Danach berief sich die Gutachterin aus Münster selbst auf das ihr zustehende Zeugnisverweigerungsrecht. Darum ließ der Vorsitzende das damalige 89 Seiten starke Gutachten an alle Prozessbeteiligten verteilen.

Der große Schwurgerichtssaal diente in der Folge für zwei Stunden als Lesesaal. Gegen die Einführung des Gutachtens als Beweismittel hatte die Verteidigung des Münsteraners aber Widerspruch eingelegt. Der Prozess gegen Adrian V. geht unterdessen erst am 28. Januar weiter. Dann sollen Personen aus dem Umfeld des Angeklagten als Zeugen vernommen werden – unter anderem sollen ein Onkel des Angeklagten sowie ein Bewährungshelfer geladen sein.

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