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Bundespräsident ehrt Impfstoff-Entwickler

Münsterische Wissenschaftler können Biontech nicht schlagen

Münster/Berlin

Bis zuletzt haben die münsterischen Forscher Christian Schulze Gronover und Dirk Prüfer gehofft, für ihre Entwicklung von Reifen aus Löwenzahn den Zukunftspreis des Bundespräsidenten zu bekommen. Doch der ehrte am Mittwochabend eine andere weltbewegende Forschungsarbeit.

Von Gunnar A. Pier

Die münsterischen Forscher Christian Schulze Gronover und Dirk Prüfer waren mit ihrem Löwenzahn-Projekt nominiert. Foto: Gunnar A. Pier

Als Bundespräsident Frank Walter Steinmeier am Mittwoch um kurz nach 18 Uhr die Bühne im ehemaligen Dresdner Bahnhof in Berlin betrat, hatte er bereits einen Umschlag in der Sakkotasche, in dem der Name des Zukunftspreisträgers steckte. Doch der Umschlag war und blieb zunächst verschlossen – und so blieb es spannend bis 18.43 Uhr. Da zückte Steinmeier den Umschlag und verkündete: Den mit 250 000 Euro dotierten Zukunftspreis des Bundespräsidenten erhalten die Erfinder des Biontech-Impfstoffs gegen das Coronavirus.

Prof. Dr. med. Uğur Şahin , Dr. Özlem Türeci und Prof. Dr. med. Christoph Huber sowie Prof. Katalin Karikó von der BioNTech SE waren von eine Fachjury ausgewählt worden, die neben der wissenschaftlichen Qualität auch die ökonomische Anwendbarkeit im Blick hat.

Bis zuletzt gehofft hatten auch Dirk Prüfer, Professor für Pflanzenbiotechnologie an der Uni Münster, und Dr. Christian Schulze Gronover vom Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie zusammen mit Dr. Carla Recker von der Firma Continental. Was sie ausgeheckt haben, klingt zunächst nach einem Scherz: Sie stellen Reifen aus russischem Löwenzahn her. Das geht wirklich: In Stengeln und Wurzeln der Pflanzen befindet sich Naturkautschuk, der sich relativ einfach gewinnen lässt. Seit Jahren forschen die Wissenschaftler daran, wie sich die Pflanzen möglichst wirtschaftlich und ertragreich anbauen lassen.

Weil das Gummi aus den Blumen auf Dauer nachhaltiger ist als der Anbau von Kautschukbäumen auf gerodeten Flächen irgendwo auf der Welt, wurde die Entwicklung für den Zukunftspreis nominiert. Dabei sind die Pneus aus Reifen-Pflanzen keine ferne Zukunft mehr: In Mecklenburg-Vorpommern wachsen die Pflanzen bereits auf mehr als 100 Hektar, Fahrradreifen aus Löwenzahn-Extrakt gibt bereits im Handel.

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